Zwei umgebaute Trollis. Zwei Jungs, die gleich aussehen. Mal abgesehen vom Bartwuchs. Und auch gleich zwei Herausforderungen: In 80 Tagen um die Welt. Und das ohne Kohle.

Wenn sich Paul und Hansen Hoepner auf dem Sofa in Berlin durch tausende Bilder und hunderte Stunden Videomaterial ihrer Reise wühlen, haben sie gemischte Gefühle. Genauso wie unterwegs: "Die Reise war ein gigantisches Erlebnis, aber es waren auch viele schwierige Momente dabei, die ich nicht noch mal erleben will", sagt Hansen. Zum Beispiel die Horrorsituation in Hongkong: Saunatemperaturen, Riesenstreit. Schlafen an der Autobahn.

"Es schwankt immer sehr zwischen den Extremen auf diesen Abenteuerreisen. Absolute Glücksmomente und dann dieses Gefühl von 'Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr'".
Hansen Hoepner, reist mit seinem Zwillingsbruder um die Welt

Vorgenommen hatten sich die 33-jährigen Brüder einiges. 80 Tage hatten sie angepeilt, das Geld für die Reise wollten sie unterwegs verdienen und ansonsten Low- bis No-Budget leben: Geld für Flüge zusammenjobben, zelten, trampen, auf nette Menschen hoffen. Manchmal lief es großartig. Beispielsweise als jemand für sie einen Umweg von 1000 Kilometern fuhr. Oder in Kanada: "Da war es so schön, da haben wir uns fast Sorgen gemacht um unser Abenteuer". Manchmal lief es aber auch mies. Zum Beispiel als sie sich pleite und orientierungslos in Tokio fragten, ob sie dort jemals wieder wegkommen würden.

Paul und Hansen Hoepner müde im Zug.
© Paul und Hansen Hoepner
Dieses Gefühl von "Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr" gehört für Paul und Hansen zum Reisen dazu. Das ist auch Teil des Abenteuers.

Reiseerfahren sind die beiden. Zusammen sind sie schon mit dem Fahrrad nach Shanghai gefahren. Nicht, weil sie sowieso alles gemeinsam machen - ganz im Gegenteil. Als sie damals begannen gemeinsam loszuziehen, konnten sie nicht mehr viel miteinander anfangen. Nach der Schule hatte jeder sein eigenes Ding gemacht und sie sich immer weniger gesehen. "Das war der Drang sich auch nach außen zu unterschieden. Weil man sonst sehr dazu neigt, sich voneinander abhängig zu machen", sagen die Brüder. Im Nachhinein eine wichtige Zeit, um eigenständige Persönlichkeiten zu werden und nicht ständig über einen Kamm geschoren zu werden.

"Paul ist derjenige, der uns häufig schon den Hals gerettet hat."
Hansen Hoepner, reist mit seinem Zwillingsbruder um die Welt

Die Fähigkeit sich mit ihrer Andersartigkeit in den Wahnsinn zu treiben, genauso wie sich optimal zu ergänzen, hat sich auch auf ihrer Reise ausgezahlt. Paul ist eher der Planer und Hansen der unkonventionelle Denker. Paul ist Mediendesigner und hat „Human Factors“ studiert, Hansen ist Produktdesigner. Sein Studienschwerpunkt Goldschmiede war auf der Reise ziemlich praktisch, wenn sie Geld verdienen mussten: So konnte er aus einer Fahrradspeiche und Kronkorken ein Schmuckstück zaubern. Ihre Offroad-Schmuckdesigns haben sie ziemlich gut verkauft. "Vermutlich aber auch", sagen die Jungs, "weil die Leute unsere Story spannend fanden und Lust hatten, uns zu unterstützen."

"Es wäre ja stinklangweilig gewesen, wenn alles nach Plan gelaufen wäre."
Paul Hoepner, reist mit seinem Zwillingsbruder um die Welt

Jules Vérnes "In 80 Tagen um die Welt" hat übrigens nur Paul gelesen. Nicht so schlimm also, dass es mit den 80 Tagen nicht geklappt hat. "Obwohl wir die Hoffnung bis zum 79. Tag nicht aufgegeben haben", sagen sie. Noch bis zum Schluss haben sie alles versucht, um an Geld und weiter zu kommen: Klöpse in Warschau frittiert oder sich kurzfristig zu Leibeigenen eines Zugführers machen lassen. Angekommen sind sie letztlich 26 Tage später. Aber glücklich.

Gemeinsam haben sie ihre Abenteuer aufgeschrieben: "Zwei um die Welt", heißt ihr Buch, das bald erscheint.