Unser Körper braucht Salz, zu viel davon ist aber ungesund. Karl Lauterbach lebt seit fast 30 Jahren salzarm - er isst nur das Salz, das natürlicherweise in unseren Lebensmitteln drin ist.

Seit 1989 verzichtet Karl Lauterbach auf Salz. Er isst nur die geringen Mengen, die ohnehin in vielen Lebensmitteln wie Fisch oder Obst enthalten sind.

"Wenn man kein zusätzliches Salz zu sich nimmt, stellen sich die Salzrezeptoren auf der Zunge oder im Gaumen so ein, dass kleinere Mengen so geschmeckt werden wie sonst viel größere", sagt der SPD-Politiker und Professor für Klinische Epidemiologie. Im Prinzip fehle ihm also nichts, sagt er. Außerdem schmecken viele Gerichte ohne zusätzliches Salz einfach besser, findet Karl Lauterbach.

"Im Prinzip überdeckt der Salzgeschmack viele bessere Geschmäcker, die man sonst spüren würde."
Karl Lauterbach über ein Leben ohne Salz

Wenn Karl Lauterbach Essen geht, dann am liebsten in Restaurants, die er kennt. "Da kennt man meine Essgewohnheiten schon und da werde ich mühelos ohne Salz bedient", sagt er. Wenn er in einem Restaurant ist, wo es nichts ohne Salz gibt, dann lässt er einfach eine Mahlzeit ausfallen. "Daran gewöhnt man sich. Es ist eigentlich sehr viel leichter praktizierbar, als man sich das denkt."

Wir essen zu viel Salz

Etwa 500 Milligramm Natrium braucht der menschliche Körper am Tag, das ist in ungefähr einem Gramm Kochsalz drin. Aktuelle Studien zeigen, dass 3,5 bis 6 Gramm Salz pro Tag völlig unbedenklich sind. Allerdings: "Wir nehmen im Schnitt etwa 8 Gramm zu uns", sagt Anja Kroke, Professorin für Ernährungsepidemiologie an der Hochschule Fulda.

Zu viel Salz ist ungesund, es steigert unter anderem den Blutdruck. "Salz bindet Wasser", sagt Anja Kroke. "Und das tut es auch in unserem Körper". Dadurch erhöht sich der Druck in unserem Gewebe und das steigert den Blutdruck. Das ist auf Dauer schlecht für unsere Organe und unser Gehirn. Zwar ist Salz nicht alleine Schuld an zu hohem Blutdruck. "Salz hat aber den größten Anteil an der Blutdruckerhöhung, die wir weltweit beobachten können", sagt sie.

Salzstreuer abschaffen?

Für Karl Lauterbach war der Salzverzicht damals eigentlich nur ein gemeinsames Experiment, das er mit anderen Forschern unternommen hat. Sie rieten zum Salzverzicht und wollten testen, wie es sich ganz ohne Salz lebt. Und dann ist er dabei geblieben.

Salzstreuer in Restaurants abzuschaffen, wie Bolivien es gemacht hat, hält er aber für wenig sinnvoll. "Der Salzstreuer ist das geringste Problem", sagt Karl Lauterbach.

"Das meiste Salz, das Menschen zu sich nehmen, wird in Brot, Käse, in Konserven, in Fertiggerichten und Tiefkühlkost zubereitet. Da sind viel größere Mengen drin als im Salzstreuer."
Karl Lauterbach, Professor für Klinische Epidemiologie

Politisch sei so eine Salzstreuerabschaffung aber attraktiv, sagt der Politiker. "Weil man den Eindruck erwecken kann, man täte eine Menge. Aber er verändert natürlich am Salzkonsum der Bevölkerung sehr wenig."

Stattdessen fordert Karl Lauterbach seit Jahren eine Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln. Damit der Salz-, Fett- oder Zuckergehalt von jedem selbst überprüft werden kann.

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