Stundenlang auf zwei Menschen starren, die auf ein Spielbrett starren, auf dem sie ab und zu eine Figur bewegen - worin liegt der Reiz?

Derzeit findet die Schach-WM in New York statt. Der Norweger Magnus Carlsen, derzeit Nummer eins, spielt gegen Sergei Karjakin aus Russland, die Nummer neun in der Weltrangliste. Was spannender sein könnte, wenn die beiden nicht die letzten Spiele mit Remis beendet hätten. Für unseren DRadio-Wissen-Reporter und Schachliebhaber Michael Gessat birgt aber auch ein Unentschieden ziemlich viel Spannung.

Denn schließlich haben beide Gegner versucht die Partie zu gewinnen, haben sich gegenseitig unter Druck gesetzt, geschickt gekontert und sich verteidigt. Wer das Spiel verfolgt, denkt beim ein oder anderen Zug: Das war's! Doch dann hält der Gegner einen sagenhaften Trick bereit und rettet sich aus dem Matt. Dass bei dieser Weltmeisterschaft sieben von sieben Partien unentschieden ausgegangen sind, ist eher ungewöhnlich - bislang von Kasparov und Anand 1995 getoppt mit acht Remis.

Wer kennt alle Varianten?

Remis werden aber nicht unendlich wiederholt, bis einer gewinnt. Nach 12 Partien ist Schluss, dann gibt es ein Tie-Break mit Schnellschachpartien, danach Blitzpartien bis die Entscheidung da ist. Wer aber keine Ahnung von den Schachregeln hat und nicht wenigstens ein bisschen Kombinieren kann und Taktiken kennt, wird daran keinen Spaß haben. Schachspieler dagegen überlegen, welche Züge die nächsten sein könnten, versuchen den Ausgang vorauszusagen. Über Smartphone und Tablet lässt sich eine Partie gut verfolgen. Dabei kann der Zuschauer auch Computerschach-Engines mitanalysieren lassen. Die Maschinen liefern fortwährend Bewertungen und Varianten zum Spiel.

Mit Fleiß, Software und Cracks gegen den Gegner

Für Schachliebhaber ist eine WM ein Fundus an neuen Spielzügen, weil dort die neuesten Erkenntnisse aus der Schach-Forschung angewendet werden. Für Michael eröffnet sich da eine Welt der Eröffnungstheorien, die sich aus Millionen von gespielten Partien herausdestilliert haben. Spitzenspieler müssen die Varianten, die 25 Züge weit gehen können, lernen. Zusätzlich werden Programme und Cracks eingesetzt, um sich gegen den Gegner optimal zu wappnen.