Der Extrem-Seilläufer Freddy Nock hält 23 Weltrekorde. Unter anderem ist er zwischen zwei Bergspitzen in den Schweizer Alpen in über 3.500 Metern Höhe auf einem Stahlseil von einer Spitze zur anderen gelaufen - ohne Absicherung. Was kaum einer weiß: Er ist nicht nur einmal dem Tod knapp entronnen.

Auf der Wiese in Freddy Nocks Garten steht ein achteinhalb Meter hoher Turm. Er ragt deutlich über die umliegenden Häuser hinaus. Von der Turmspitze aus sind zwei Stahlseile Richtung Rasen gespannt - Freddys Übungsseile, mit einer Steigung von 37 Prozent, der Steigung, die er bei seinem nächsten Rekordversuch in China gehen wird. Niemand hat diese Steigung bisher geschafft. Sie entspricht etwa einer roten Piste beim Skifahren. Die Chinesen machen am Ende eine große Fernsehshow daraus. Freddy schafft die Strecke im zweiten Versuch. Er läuft sie sogar blind mit einem sichtdichten Helm.

"Und dann gehst du da rein in die Manege und dann sind da Leute, die klatschen. Das war schon ein schönes Gefühl."

Freddy Nock, Extrem-Seilläufer, 1964 geboren, aufgewachsen in einer Zirkusfamilie. Mit vier Jahren macht er seine ersten Versuche auf dem Seil. Mit elf Jahren läuft er bereits auf dem Hochseil. Sein Leben ist geprägt vom Reisen als Zirkusartist. Doch dann mit Mitte dreißig lässt er dieses Leben hinter sich und beginnt eine Karriere als Einzelartist und Extremsportler. 2011 startet er seine Serie "7 Rekorde in 7 Tagen", bei dem er unter anderem auf einer Höhe von 3400 Metern über ein Seil auf dem Jungfraujoch balanciert. Seine Auftritte sind so waghalsig, dass Medien weltweit darüber berichten.

"Und ich lag dann mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Und der hat sich von hinten in meinen Kopf rein gebissen."

Wer aber denkt, dass der Balanceakt auf einem Seil in den Alpen die aufregendste Geschichte in Freddys Leben ist, der irrt sich gewaltig. Freddy ist mehrmals dem Tod von der Schippe gesprungen - und zwar nicht als Hochseilartist.

Freddy Nock zwischen zwei Bergwipfeln im Jahr 2015
© dpa
Freddy Nock im Jahr 2015 auf einem Seil in den Schweizer Alpen.

Kurz nach seinem ersten Auftritt als Kind gastiert der Zirkus Nock in St. Moritz. Es ist ein freier Tag und Freddy spielt mit seiner Cousine im Vorzelt. In dieser Saison arbeitet am Zirkus ein Dompteur, der mit einem Bären eine lustige Nummer einstudiert. Es ist ein Grizzly-Bär. Der Dompteur füttert den Bären. "Ich weiß nur, ich saß mit dem Rücken zum Bär und meine Cousine saß in die andere Richtung, und auf einmal springt die auf und schreit 'der Bär ist los, der Bär ist los'", erinnert sich Freddy Nock. Er schaltet nicht so schnell wie seine Cousine. Als er sich umdreht, sieht er den riesigen Bären auf sich zu laufen. Er springt auf, rennt und rollt sich unter einen Wagen.

Der Kampf mit dem Bär

Der Bär aber kommt ihm nach und holt ihn unter dem Wagen hervor - so wie einen Ball, der unter einen Schrank gerollt ist. Der Bär beißt Freddy in den Kopf. Freddy schreit wie verrückt. Sein Vater und sein Onkel kommen angerannt. Der Onkel haut von hinten mit einem Vorschlaghammer auf den Bären ein. Freddy kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Und überlebt.

"Leute müssen ja an was glauben, ob’s Gott ist, für mich sind es die Engel. Also irgendetwas ist da, was mich beschützt auf dieser Welt.“

Freddy Nock ist mehrmals in seinem Leben dem Tod knapp von der Schippe gesprungen. Abgesehen davon stellt er als Extrem-Seilläufer immer wieder neue Rekorde auf und begibt sich auf ein Drahtseil in die Höhe - ohne Absicherung. Unserem Reporter Christian Rex hat er erzählt, er will das noch machen, bis er 80 ist - und solange seine Schutzengel bei ihm sind.