In einer Großstadt wie Berlin hausen rund sieben Millionen Ratten in der Kanalisation. Eine echte Plage. Nach langer Erprobungsphase haben Tüftler jetzt eine Erfindung auf den Markt gebracht, um die Viecher endlich erfolgreich zu bekämpfen: eine Selbstschussanlage. Doch wie genau funktioniert das?

Auf der tierischen Beliebtheitsskala von uns Menschen stehen Ratten ziemlich weit unten. Neben dem erheblichen Ekelfaktor liegt das vor allem auch daran, dass die ungeliebten Nager gefährliche Krankheitserreger übertragen können und sich öfters auch mal an unseren Nahrungsmitteln vergreifen. Die Bekämpfung der cleveren Tiere hat sich bisher als äußerst schwierig erwiesen. Mit "Smart Trap", einer Rattenselbstschussanlage für Ratten, soll das endlich gelingen.

Tod in Sekundenbruchteilen

Die Selbstschussanlagen werden gezielt in die Abwasserrohre der Kanalisation eingebaut, durch die die Ratten müssen, wenn sie oberirdisch auf Futtersuche gehen. Kommt jetzt eine Ratte durch das Rohr und will an der dort installierten Selbstschussanlage vorbei, wird sie von Infrarotsensoren und Bewegungsmeldern erfasst, die den Feuerbefehl in der Selbstschussanlage auslösen.

"14 tödliche Stahlbolzen schnellen mit einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern aus der Falle heraus und die zerschmettern der Ratte den Schädel oder Wirbelsäule. Dann fahren die Bolzen wieder in die Selbstschussanlage zurück und sie ist erneut einsatzbereit.“
Mario Ludwig, DRadio-Wissen-Tierexperte

Die Entsorgung der Kadaver regelt sich auf zwei Wegen. Entweder auf natürliche Weise, denn Ratten sind Aasfresser und machen auch vor Artgenossen nicht halt. Oder die toten Tiere werden in die nächstgelegene Kläranlage gespült.

Effektiver als Giftköder

Billig ist die Selbstschussanlage nicht: In der Regel vermietet die Herstellerfirma die Anlage zu einem Stückpreis von rund 1500 Euro pro Jahr, inklusive Kontrolle und Wartung.

Im Gegensatz zu Giftködern, gegen die die Ratten Resistenzen entwickeln können und deren Einsatz zum Beispiel im Lebensmittelbereich schwierig ist, ist "Smart-Trap" auch unter Tierschutz-Gesichtspunkten wesentlich humaner:

"Bei der Ratte tritt der Tod sofort ein und sie muss nicht tagelang unter großen Qualen an der Giftwirkung verenden. Deshalb sind die Selbstschussanlagen auch vom Bundesumweltamt in Berlin als tierschutzgerecht zertifiziert worden."
Mario Ludwig, DRadio-Wissen-Tierexperte

Übrigens, Diebstahl lohnt sich nicht:Wenn ein Unbefugter den dazugehörigen Kanaldeckel öffnet, schaltet sich die Selbstschussanlage ab und versendet gleichzeitig eine Alarm-SMS an den Anwender. Außerdem lässt sich die Anlage per GPS verfolgen.