Stadtbüchereien, das sind ganz und gar analoge Orte. Mit angegrabbelten Büchern, die von anderen Leuten an ganz anderen Orten gelesen wurden. Klar, das ist ein Klischee. Und es ist falsch – denn Stadtbibliotheken sind längst in der digitalen Welt angekommen.

Wibke Ladwig, Bloggerin und selbsternannter "Social Web Ranger" berät öffentliche Bibliotheken in NRW bei digitalen Fragen. "Viele Stadtbüchereien sind digital ganz ordentlich unterwegs", sagt sie. Grund dafür sei auch das 2009 in Düsseldorf gestartete Förderprogramm "Lernort Bibliothek".

Mit der Konsole in der Stadtbücherei

Stadtbüchereien seien mittlerweile Orte, die mehr bieten als die Ausleihe von Büchern. Nicht nur, dass sie alle möglichen Medien wie Konsolen, Brettspiele, Filme, Hörbücher, E-Reader oder Musik anbieten. "Die Stadtbibliothek Köln zum Beispiel hat einen Maker-Space, wo man Podcasts professionell aufnehmen, Musikinstrumente ausprobieren oder mit dem 3D-Drucker drucken kann", so Ladwig.

"In Bibliotheken kann man mehr als nur Bücher ausleihen. Bibliotheken sind Aufenthaltsort, Lernort und sozialer Raum in einer Stadt. Oft auch der letzte nichtkommerzielle Raum."

Mittlerweile kann man über das Portal Onleihe auch E-Books ausleihen. Eigentlich komfortabel: Man sitzt in Bali am Strand und liest einen Bestseller, ausgeliehen in der Stadtbücherei Paderborn. Oder so.

Bestseller oft vergriffen

Allerdings: Auch im digitalen Angebot der Stadtbüchereien sind viele Bestseller oft vergriffen. Eigentlich paradox, dass ein digitaler Artikel nicht unbegrenzt verfügbar ist. "Vielleicht wird sich das in Richtung Streaming-Dienst verändern", sagt Ladwig. Zurzeit sei aber immer nur "eine bestimmte Anzahl von Kopien vorrätig." In dieser Hinsicht ist die Stadtbücherei also doch noch so wie früher. Nur eben digital.