Für die SPD stehen gerade viele Entscheidungen an: Wen wird die Partei als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf schicken? Und vor allem: Welche Themen sollen ganz oben auf der Agenda stehen? Wir haben die Jusos gefragt.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann scheint klar: "Die SPD kämpft bei der Bundestagswahl um 30 Prozent plus x". Das sagte er jedenfalls kürzlich in einem Interview der "Welt am Sonntag". Die 30-Prozentmarke scheint angesichts aktueller Umfragewerte ziemlich optimistisch. Laut aktuellem ARD-Deutschlandtrend kommt die SPD gerade mal auf 20 Prozent.

Die Frage nach dem Wahlprogramm

Johanna Uekermann, Bundesvorsitzende der Jusos, hält nichts von solchen Spekulationen um Zahlen und Ergebnisse. Sie sagt: "Wir müssen uns jetzt erst mal Gedanken darüber machen, mit welchem Wahlprogramm wir uns aufstellen wollen. Wie wollen wir die Wählerinnen und Wähler überzeugen?", sagt sie. Erst dann und mit einem geeigneten Kanzlerkandidaten könne man sich über den Rest Gedanken machen.

Nach Ansicht der 27-Jährigen ist es vor allem das Thema der sozialen Ungerechtigkeit, das die Menschen umtreibt. "Dass Männer immer noch anders bezahlt werden als Frauen, dass wir nicht genug bezahlbaren Wohnraum haben", sagt sie. "Junge Leute treibt massiv um, wie es beruflich weiter geht, ob sie eine sichere Perspektive am Arbeitsmarkt haben, und einen Ausbildungsplatz finden, der ihnen liegt."

"Wir brauchen ein Recht auf Ausbildung. Dass jeder junge Mensch das Recht hat, eine Ausbildung oder ein Studium anzufangen, das er möchte. Und dann geht es auch darum, dass das fair entlohnt wird."
Johanna Uekermann, Juso-Bundesvorsitzende

So fordern die Jungsozialen beispielsweise eine Mindestvergütung für Auszubildende.

Das alles sind nicht unbedingt neuen Positionen der Sozialdemokraten. Aber das findet Johanna Uekermann in Ordnung. "Ich glaube nicht, dass man das Rad immer neu erfinden muss. Man muss es nur endlich mal umsetzen."

Kritik an SPD

Schon länger muss sich die SPD aber den Vorwurf anhören, dass die sozialdemokratische Partei das Gefühl dafür verloren hat, was an der Basis passiert. Dass sie nicht mehr weiß, was die Probleme der "kleinen Leute" sind. Doch die Juso-Chefin glaubt, dass die Partei in den vergangenen Monaten wieder stärker auf genau diese Themen setzt, die die Menschen umtreiben. "Auch Sigmar Gabriel hat mehrfach betont, dass er das Thema Gerechtigkeit wieder in den Fokus nehmen will."

"Ich glaube, es war auch richtig, dass es da mal Kritik gab, von den Jusos, aber auch von den Parteilinken, damit sich die SPD mal darauf besinnt."
Johanna Uekermann über die Kritik an der SPD

Ende Januar will die SPD bekannt geben, wen sie als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken will. Zwischen Johanna Uekermann und SPD-Parteichef Sigmar Gabriel krachte es in der Vergangenheit immer mal wieder. Würde sie ihn trotzdem unterstützen, sollte er es werden?

"Es kommt drauf an, wie er sich positioniert und welche Schwerpunkte auch das Wahlprogramm innehat", sagt sie. "Das ist für uns die entscheidende Frage: Stehen wir hinter dem Programm, mit dem die SPD in den Wahlkampf zieht?"