Ein neues Gesetz soll Stalking-Opfer besser schützen: Stalking ist jetzt schon strafbar, wenn das Leben eines Opfers schwerwiegend beeinträchtigt ist, nicht erst, wenn es Umziehen muss.

Janine ist eine von den Frauen, denen ein Stalker das Leben zur Hölle macht. Ihr Ex-Freund wurde ihr Stalker. Der Stalker. Schon in ihrer kurzen Beziehung wurde er gewalttätig, erzählt Janine. Er hat sie im Bett bedrängt und war immer sehr eifersüchtig. Nach drei Monaten hat Janine Schluss gemacht.

Doch das wollte ihr Ex nicht akzeptieren: Er hat versucht, sie mit Nacktfotos zu erpressen und ihr gedroht. Bis Janine irgendwann zur Polizei ging und Anzeige erstattete.

20.000 Stalking-Fälle pro Jahr

Das Verfahren läuft noch, deshalb ist Janine auch nur ein Alias-Name. Ihre Geschichte ist aber typisch fürs Stalking - zu dem es nach Angaben des Bundesjustizministeriums rund 20.000 Anzeigen pro Jahr gibt.

"Die meisten der Täter sind männlich - laut Studien etwa 80 Prozent. Und es sind meist Beziehungstaten: Also nachdem sich einer getrennt hat, will der andere das nicht akzeptieren und stalkt den anderen."
Stephanie Gebert, DRadio Wissen

Bis jetzt konnte ein Stalker nur verurteilt werden, wenn das Opfer sein Leben verändern musste - zum Beispiel, wenn es den Job wechseln oder umziehen musste. In Zukunft ist Stalking schon strafbar, wenn das Leben des Opfers schwerwiegend beeinträchtigt ist.

Bis zu drei Jahre Haft

Jemand kann zum Beispiel dafür bestraft werden, dass er falsche Todes- oder Heiratsanzeigen aufgibt, Einträge in sozialen Netzwerken manipuliert oder dem Opfer tote Tiere vor die Tür legt - und zwar mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe.

Bislang standen Frauen wie Janine unter der Beweispflicht. Sie mussten vor Gericht klar machen, dass ihr Leben durch den Stalker massiv beeinträchtigt wird. Mit dem neuen Gesetz richtet sich der Fokus auf die Täter: "Man guckt sich nicht an, was hat das Opfer gemacht, sondern was macht der Täter", sagt DRadio-Wissen-Reporterin Stephanie Gebert.

Mary Scherpe, die selber jahrelang gestalkt wurde und mit einer Petition mit dazu beigetragen hat, dass die Gesetzesverschärfung kam, ist damit im Grunde zufrieden. Sie sagt allerdings: "Am Ende sind Gesetze Texte in einem Buch. Viel wichtiger ist, was die Gerichte damit machen. Viel wichtiger ist, wie dieses Gesetz interpretiert wird."