Die Provinz Torba des Inselstaats Vanuatu hat ein Problem: Süßkram bekommt den Einwohnern nicht. Schlechte Zähne und Fettleibigkeit sind die Folgen. Daher sollen Importe von Dickmachern verboten werden.

Etwa 9000 Menschen leben in der Provinz im Norden von Vanuatu. Mit dem Importverbot, das in den nächsten fünf Jahren umgesetzt wird, soll vor allem die Gesundheit der Bevölkerung geschützt werden. Auch die Wirtschaft soll durch den Rückgang von Importwaren profitieren. Nicht mehr eingeführt werden dürfen dann Süßigkeiten und fettreiche Dosennahrung - aber auch Reis steht auf der Exportverbotsliste, berichtet Asien-Korrespondentin Lena Bodewein.

Bio statt Dosen

Diese Regelung gilt nicht nur für Einheimische. Auch für Hotelbetreiber und ihre Gäste gilt die Umstellung. Das Gegenangebot zu Dosenfutter klingt aber nicht so schlecht: lokal und biologisch Angebautes soll in Zukunft auf der Speisekarte stehen.

Die Aktion ist kein PR-Coup, sondern orientiert sich an negativen Entwicklungen auf anderen Südseeinseln. Möglicherweise ist genetisch bedingt, warum viele Einheimische, Süßes und Fettiges anders verarbeiten können. "In der Südsee findet man absurderweise die dickleibigsten Menschen der Welt", erklärt Lena Bodewein.

"Viele der Südseebewohner haben Gene, die auf Sparsamkeit ausgerichtet sind. Sie haben Jahrhunderte und Jahrtausende so gelebt, dass sie nur gegessen haben, was es gerade gab."
Lena Bodewein, Asien Korrespondentin

"Thrifty Genes" heißt dieses Phänomen: Der Körper ist darauf eingestellt, das absolute Optimum aus der Nahrung herauszuholen. Bei einem Overload an Nährstoffen, Zucker, Fett und so weiter macht sich das logischerweise schnell bemerkbar. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass nicht nur mehr Menschen mit typischen Folgeerkrankungen von Übergewicht wie Diabetes zu den Ärzten kommen, sie sind auch deutlich jünger als damals."Diesen Trend muss man erstmal wieder umdrehen", so Lena Bodewein. "Und das ist ganz schön hart."

Schmeckt Verbotenes doppelt lecker?

Mit weniger Importen und damit weniger Schiffsverkehr, so der Gedanke der Initiatoren, könnte vielleicht auch ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Denn die Inseln von Vanuatu sind besonders vom ansteigenden Meeresspiegel betroffen.

Allein ist Vanuatu mit seiner Initiative gegen die Fettleibigkeit übrigens nicht. Die meisten anderen Provinzen und Inselstaaten setzen jedoch eher auf lokale Bildungsprogramme, die etwa die Vorteile vom eigenen Gärtnern promoten. Wie genau der Einstellungswechsel hin zur Liebe zu frischem Obst, Gemüse und Fisch gelingen soll, ist noch nicht ganz klar. Eine Sache gilt es nämlich zu überwinden: Das, was verboten ist, wirkt oft besonders attraktiv.