Zu viel Peterchens Mondfahrt, zu viel Märchen. Das, was die Stadttheater Kindern und Jugendlichen in der Adventszeit anbieten, ist oft verlogen, reaktionär und kommt aus den falschen Gründen auf den Spielplan - das beklagt Kulturwissenschaftler Wolfgang Schneider im Hörsaal.

Der Titel seiner Vorlesung ist einfach zu schön, um ihn nicht zu nennen. Bitte lest laut mit: "Eine Muh, eine Mäh - seit 100 Jahren täterätätä. Das Weihnachstmärchen als Phänomen zwischen Kultur und Politik". Wolfgang Schneider sagt: Von wegen, süßer die Glocken nie klingen! Wenn auch dieses Jahr in der Adventszeit alte Stoffe und Märchen die Stadttheaterbühnen erobern, muss das nicht zwingend gute Gründe haben.

"Die Erfindung des Weihnachtsmärchens - das Marketing eines kulturellen Phänomens."

Schneider beschreibt wie das eigentlich angefangen hat, mit diesem besonderen Weihnachtsspielbetrieb - im 19. Jahrhundert, als Geschäftsidee, um die Ende des Jahres ziemlich leeren Theatersäle zu füllen. Wirtschaftlich ist das nachvollziehbar. Aber was, wenn dann auch noch reaktionäre Produktionen auf die Bühne drängen?

"'Genieße, was dir Gott beschieden. Entbehre gern, was du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand hat seine Last.' Ein obrigkeitsstaatliches Erziehungskonzept, das in seiner autoritären Satzung Gehorsam allein zu Gott und Eltern und damit dem Staat und Regenten gegenüber lehrt."

Das malt Schneider in seiner Vorlesung, die er am 17. Dezember 2014 gehalten hat, aus. Und er fragt sich: Wieso finden Kritiker, wieso finden Eltern diese Vorstellungen gut? "Kritiker sind eben auch nur Erwachsene", sagt er. "Und die haben wohl ihre Vorstellungen von den Vorstellungen, die sie für ihre Kinder reklamieren."

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