Jedes Jahr sterben 100.000 Menschen an Schlangenbissen. Weil es nicht genug Gegengift gibt, werden die Opferzahlen steigen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden weltweit jedes Jahr fünf Millionen Menschen von Schlangen gebissen. Am Gift der Schlangen sterben zwei Prozent - das sind rund 100.000 Todesopfer pro Jahr. Weitere 400.000 Menschen werden durch Schlangenbisse entstellt oder können nur durch Amputationen gerettet werden.

Beim Biss einer Schwarzen Mamba bleiben 20 Minuten

Weil oft nicht klar ist, welche Schlange eigentlich zugebissen hat, gilt: So schnell es geht ein Schlangenserum injizieren. Das ist ein Cocktail aus Antikörpern gegen die wichtigsten und häufigsten Giftschlangenarten einer bestimmten Region. "Der Aufwand zur Herstellung eines dieser polyvalenten Antiseren ist aber ziemlich hoch", erklärt Mario Ludwig.

"Auf einer Safari, etwa in Südafrika, Botswana, Kenia oder Tansania werden vom Veranstalter immer polyvalente Antiseren mitgeführt. Schutz ist hier eine Frage des Geldes."
DRadio-Wissen-Tierexperte Mario Ludwig

Eine lebensrettende Dosis Gegengift kann bis zu 400 Dollar kosten: "Für eine schwarzafrikanische Familie, die unter der Armutsgrenze lebt, ist das unerschwinglich", so unser Tierexperte. Die Herstellung ist aber auch aufwendig: Säugetieren werden nichttödliche Dosen Schlangengift gespritzt. Dadurch bilden sie Antikörper, die das Gift neutralisieren. Diese werden isoliert, gereinigt und als Antiserum verwendet.

Produktion des Serums FAV-Afrique wurde eingestellt

Diese aufwendige Herstellung von Schlangenseren ist für Pharmafirmen trotz des hohen Verkaufpreises anscheinend kein lohnendes Geschäft. Der Pharmariese Sanofi (Jahresumsatz 31 Milliarden Euro) hat 2010 die Produktion seines Allroundserums FAV-Afrique eingestellt. Die letzten Vorräte sind mittlerweile aufgebraucht.

"Obwohl FAV-Afrique in den vergangenen Jahren Tausenden Menschen, südlich der Sahara, das Leben gerettet hat, wird in den Produktionsstätten heute ein Serum gegen Tollwut hergestellt. Das ist lukrativer."
DRadio-Wissen-Tierexperte Mario Ludwig

Jetzt werden potenzielle Interessenten gesucht, die die Produktion von FAV-Afrique übernehmen. Vor Ende 2018 oder Anfang 2019 wird das aber nicht klappen. So ist in Afrika eine Schlangenserumsversorgungslücke entstanden, die nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen mehreren 10.000 Menschen das Leben kosten könnte.

Möglicherweise kommt jedoch Hilfe aus Lateinamerika. Dort wurde Gegengift gegen verschiedene afrikanische Giftschlangen entwickelt, die sich gerade in der Testphase befinden. Die Hersteller haben angekündigt, dass sie an den Seren kein Geld verdienen, sondern lediglich ihre Ausgaben decken wollen.