Sarah Ungar hat sich vor einem Jahr im Job geoutet und zu ihrer Transsexualität bekannt. Sie lebt nun offiziell so, wie sie sich fühlt: als Frau. Was seitdem passiert ist, erzählt sie in Eine Stunde Talk.

Sarah geht gerne systematisch und inhaltsorientiert vor. Deshalb hat die Betriebswirtin eine Liste angefertigt. "Darauf standen etwa 30 Namen", sagt sie. Die hat sie nacheinander abgearbeitet. So hat sie ihr Outing bei Thyssen-Krupp organisiert und im Job mitgeteilt, dass sie nun als Frau lebt.

Für Sarah war das ein großer und logischer Schritt. Seit ihrer Kindheit weiß sie, dass sie nicht ins klischeebesetzte Geschlechter-Schema passt: Da die rosa Mädchen, hier die blauen Jungs: "Ich habe es einfach gemerkt."

Durch die Pubertät ist sie irgendwie in der Jungenrolle durchgekommen. "Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass Transsexualität mein Thema ist." Internet sei Dank. "Da habe ich gedacht: Das lässt sich durch Verdrängung wieder wegbekommen." Ein Irrtum.

"Wir brauchen mehr Sichtbarkeit von LGBTI-Menschen."
Sarah Ungar (LGBTI: Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex. Anm. d. Red.)

Zu Beginn 2016 trifft Sarah dann die Entscheidung, auch im Job als die Person aufzutreten, die sie im Privaten schon ist: eine Frau. Zu der Zeit leitet sie die Personalabteilung bei einer Thyssen-Krupp-Tochter. Das Unternehmen zieht mit.

Seit Beginn 2016 gibt es ein aktives LGBTI-Netzwerk im Unternehmen samt regelmäßigem Business-Lunch (Regenbogenfahne inklusive) und Tagungen. Ein paar Monate später wird der Konzern außerdem "Proutemployer". Außerdem geht es 2017 zum Kölner CSD. "Ich bin überzeugt, dass es kein Lippenbekenntnis ist", sagt Sarah.

"Ich würde nie jemanden einstellen, nur weil jemand aus der LGBTI-Community kommt."
Sarah Ungar

Zurzeit gilt Transsexualität nach den Kriterien der WHO noch als Persönlichkeits- und Verhaltensstörung. Regelmäßig werden Diagnosen und Krankheitsbilder dabei neu bewertet . Voraussichtlich ab 2018 soll Transsexualität nicht mehr als Krankheit gelten, sondern als medizinischer Zustand, vergleichbar einer Schwangerschaft - ein weiterer, wichtiger Schritt zur Normalisierung in unserer Gesellschaft.

Sarah will kein Poster- oder Vorzeige-Girl sein. "Vorbild finde ich einen schwierigen Begriff, weil jeder seinen eigenen Weg finden muss. Aber ich möchte zeigen: Es kann funktionieren. Habt den Mut. Am Ende ist es das auf jeden Fall wert."

In Eine Stunde Talk erzählt sie, warum das Ruhrgebiet und Handtaschen toll sind und wie sie in ihrem Job als Personalerin von ihrem Outing profitiert.