Pia Eberhardt ist gegen TTIP. Sie will das Freihandelsabkommen verhindern, das zurzeit zwischen der EU und den USA verhandelt wird. Dabei geht es ihr um mehr als Chlorhühnchen: Pia Eberhardt fürchtet, das Freihandelsabkommen könnte Unternehmen so große Macht einräumen, dass sie Einfluss auf die Demokratie nehmen.

TTIP steht für Transatlantic Trade and Investment Partnership. Seit zwei Jahren verhandeln die USA und die EU über das gemeinsame Freihandelsabkommen. Damit würden zwischen den EU-Mitgliedstaaten und den USA keine Zölle mehr erhoben und Waren könnten unbeschränkt hin- und herfließen. Die Verhandlungspartner versprechen sich davon wirtschaftliche Vorteile und günstigere Produkte für die Verbraucher.

Die größte Freihandelszone der Welt

MIt TTIP würde die größte Freihandelszone der Welt entstehen. Die EU-Kommission erhofft sich davon ein Wachstum des Bruttosozialprodukts um 0,5 Prozent pro Jahr. Kritiker wie Pia Eberhardt fürchten, dass durch TTIP in Europa die Verbraucherstandards sinken könnten. Dafür steht das Chlorhuhn: In den USA wird Geflügel während der Produktion mit Chlor desinfiziert - und genau diese Chlorhühnchen könnten durch TTIP in europäischen Supermärkten landen. Ernährungswissenschaftler sagen zwar, dass von den Chlorhühnchen keine gesundheitliche Gefahr ausgeht, trotzdem ist das Chlorhuhn zum Anti-TTIP-Symbol geworden.

Für Pia Eberhardt ist TTIP in erster Linie ein Instrument, um die Interessen der Industrie durchzusetzen. Das könnte gefährlich werden für die Demokratie - nämlich dann, wenn es darum geht, die Machtverhältnisse zu ändern. Zurzeit legen Regierungen und die EU die Verbraucherstandards fest. Das Freihandelsabkommen könnte dazu führen, dass sich Wirtschaftsvertreter und Industrie eng abstimmen und versuchen über TTIP Verbraucher-, Sozial- und Umweltstandards zu senken.

Die Wirtschaft nimmt zu großen Einfluss

Ein weiterer Nachteil von TTIP ist der Investitionsschutz: Ein Unternehmen kann ein Land verklagen, wenn es meint, dass dort politische Entscheidungen getroffen werden, die die eigenen Investitionen bedrohen und nicht mit dem Regelwerk des Abkommens übereinstimmen. Diese Verfahren würden nicht vor ordentlichen Gerichten ausgetragen und von Richtern entschieden sondern von spezialisierten Anwaltskanzleien. Die bekämen dafür sehr viel Geld und hätten darum ein Interesse viele solcher Verfahren zu führen.

Pia Eberhardts Biografie

Pia Eberhardt kommt aus Großumstadt im Odenwald. Ursprünglich wollte sie mal Journalistin werden, dafür hat sie nach dem Abi VWL studiert . Später hat sie dann in die Politikwissenschaft gewechselt. Weil sie den Fachbereich Politik in Köln zu konservativ fand, ging Pia Eberhardt an die Uni in Kassel. Dort hat sie einen Master in politischer Ökonomie gemacht. Nach dem Studium hat Pia Eberhardt angefangen bei der NGO Corporate Europe Observatory zu arbeiten. Pia Eberhardt lebt in Köln und reist für ihre Arbeit häufig nach Brüssel.

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