Twitter wird zehn Jahre alt. Obwohl der Zwitscherdienst immer wieder totgesagt wird und kein Geld einspielt, feiern wir einfach mal mit.

Angefangen hat es vor genau zehn Jahre ausgesprochen langweilig: "just setting up my twttr", schrieb Twitter-Boss Jack Dorsey und sendete so den allerersten Tweet hinaus in die weite Welt. Inzwischen kommen ungefähr 500 Millionen Tweets jeden Tag dazu.

Die Idee hinter Twitter ist es, eine SMS ins Internet zu verschicken, sodass sie jeder öffentlich lesen kann. Daher kommt auch die Begrenzung auf 140 Zeichen: Als Twitter 2006 an den Start ging, waren Smartphones noch kein großes Thema, und eine SMS hatte nicht mehr als 140 Zeichen. Der Handy-Markt hat sich seitdem zwar dramatisch geändert, das alte Vögelchen Twitter ist aber immer noch dasselbe. Mehr oder weniger.

In 140 Zeichen muss alles passen

Jack Dorsey grübelte eine Weile herum, ob die 140 Zeichen noch zeitgemäß seien, dann entschied sich der Kurznachrichtendienst dann aber doch gegen eine Zeichenlänge von bis zu 10.000. Sehr zur Beruhigung der Twitter-Fans, die ihre 140 Zeichen lieben.

Was sie auch lieben, ist die chronologische Reihenfolge, mit der Twitter die Nachrichten anzeigt. Egal ob vom Papst, von Obama, von DRadio Wissen oder irgendwelchen Einzelpersonen: Jeder Tweet hat die selbe Relevanz. Oder besser gesagt: hatte. Pünktlich zum zehnten Geburtstag führte Twitter eine Sortierung der Tweets ein. Je beliebter ein Tweet, desto eher bekommt ihr ihn angezeigt. Im Prinzip wie bei Facebook.Dieser Algorithmus lässt sich aber auch deaktivieren.

"Ich glaube nicht, dass Twitter schnell aus dem Netz verschwinden könnte. Mehr als 300 Millionen aktive User verschwinden nicht von heute auf Morgen. Das einzige, was ein Problem werden könnte: Twitter fehlt nach wie vor ein funktionierende Geschäftsmodell."
DRadio-Wissen-Reporter Sebastian Sonntag über Twitters Zukunft

Bei Facebook läuft es ganz gut mit dem Geldverdienen, bei Twitter hapert es noch. Das Unternehmen schreibt fast schon grundsätzlich Rote Zahlen. Aber: Während wir bei Facebook vor allem unsere Urlaubsfotos zeigen und ab und zu mal eine putzige Katze, passieren bei Twitter die wichtigen Dinge. Eine winzige Auswahl:

  • 2009: Janis Krums twittert das erste Foto nach der Notlandung einer Passiermaschine im New Yorker Hudson River.
  • 2012: Barack Obama twittert zu seiner Wiederwahl: "Four more years"
  • 2013: Anne Wizorek twittert #Aufschrei und löst eine gesellschaftliche Debatte aus
  • 2015: Joachim Roncin twittert den Schriftzug: "Je suis Charlie"

Wichtig ist Twitter also. Und einfach. Jeder kann mitdiskutieren, wenn ihm danach ist. Und das ist die große Stärke von Twitter.

"#Aufschrei hat ja auch schön gezeigt, dass so eine Sache wie ein Hashtag sehr offen ist, dass viele Leute mitmachen können. Nicht nur Leute, die betroffen sind, sondern auch welche, die zum ersten Mal damit konfrontiert sind, können mitdiskutieren."
Anne Wizorek, Medienberaterin