"Volksverräter" ist zum Unwort des Jahres 2016 gewählt worden. Mit der jährlichen Wahl wollen Sprachwissenschaftler das Bewusstsein für Sprache fördern und unsachliche Formulierungen in den Fokus stellen. Denn Sprache sagt viel über das Klima innerhalb einer Gesellschaft aus.

Nach den Worten der Unwort-Jury ist das Wort "Volksverräter" ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten. Es ist ein "undifferenzierter" und "diffamierender" Ausdruck, der "die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt" - so heißt es in der Begründung der Jury für die Entscheidung. Vor allem Politiker werden gerne als "Volksverräter" beschimpft.

Kein Interesse am Diskurs

"Ich glaube, es ist gut, dass wir diesen Fingerzeig zum Anfang des Jahres bekommen", sagt Michael Kretschmer, CDU-Generalsekretär in Sachsen. "Sprache bestimmt das Klima in einem Land", so der CDU-Politiker.

Im Alltag gehe es in vielen Fällen nicht mehr darum, Argumente auszutauschen und andere Meinungen zu akzeptieren und sich mit diesen auseinanderzusetzen, sagt Michael Kretschmer.

"Volksverräter rufen Leute, die sich über andere erheben und die keinen Diskurs wollen."
CDU-Politiker Michael Kretschmer über "Volksverräter"-Rufe

Der CDU-Politiker ist zwar davon überzeugt, dass die Mehrheit der Bevölkerung noch miteinander diskutiert und dabei sachlich bleibt. Aber die Volksverräter-Rufe oder ähnliche Diffamierungen haben auch in seinen Augen zugenommen. Und er hat eine klare Haltung dazu.

"Auch wenn Gerichte meinen, dass solche Beschimpfungen zur allgemeinen Meinungsfreiheit dazugehören: Ich finde das nicht."
Michael Kretschmer, CDU-Generalsekretär in Sachsen

Das Wort wolle bewusst verletzen und deshalb ist es in den Augen des Politikers dringend notwendig, sich darüber aufzuregen und die Beschimpfung auch zurückzuweisen.

Michael Kretschmer fordert wieder mehr Offenheit - von allen Seiten. "Ich glaube, dass ein großer Teil der Bevölkerung in den vergangenen zwei Jahren das Gefühl hatte, dass es gewisse Positionen und Themen gibt, bei denen es schwierig ist, darüber zu reden, und dass man dabei sehr schnell stigmatisiert worden ist", so Kretschmer.

Mit Blick auf die Bundestagswahlen 2017 wünscht er sich einen harten Wahlkampf - der aber sachlich und in Würde ausgetragen wird.

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