In drei Bundesstaaten der USA muss nach der Präsidentschaftswahl noch einmal ausgezählt werden. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Weil sich die Wahlverfahren unterscheiden und vom Retro-Wahlcomputer aus den Achtzigern bis zum Feld, das ausgemalt und nicht angekreuzt werden darf, alles dabei ist.

Es ist noch nicht vorbei - das offizielle amtliche Endergebnis der Präsidentschaftswahl in den USA lässt auf sich warten. In drei Bundesstaaten müssen die Stimmen neu ausgezählt werden. In Deutschland wäre das kein größeres Problem: alle Stimmzettel wieder aus der Urne holen und noch mal nachzählen. In den USA ist das nicht ganz so einfach, weil dort Wahlcomputer zum Einsatz kommen. Außerdem setzen die fraglichen Bundesstaaten Wisconsin, Michigan und Pennsylvania auf unterschiedliche Wahlverfahren.

Dabei geht es darum, wie Wahlmaschinen genutzt werden und die Auszählung funktioniert, erklärt unser Reporter Thomas Reintjes. Teilweise unterscheidet sich das sogar von Landkreis zu Landkreis. So gibt es zum Beispiel in Wisconsin Gegenden, in denen Wähler einfach auf ein Feld auf einem Touchscreen drücken. Die Geräte sehen ein bisschen aus wie Geldautomaten. In anderen Gegenden müssen die Bürger auf einem Papierzettel ein Feld ausmalen - nicht ankreuzen, sondern ausmalen - um für einen Kandidaten abzustimmen. Der Zettel wird dann von einem Scanner ausgewertet. Ein Computer stellt also fest, für wen auf einem Papierzettel gestimmt wurde.

Wahlquittung

Auch bei der erneuten Auszählung wird nicht per Hand ausgezählt, weil das ein Gericht in Wisconsin abgelehnt hat. Die Folge: Jeder Landkreis kann selbst entscheiden, wie die Stimmen nachgezählt werden. Sinnvoll wäre in Michigan die Auszählung per Hand, weil es dort besonders viele leere Stimmzettel gab: mehr als 75.000 - viel mehr als bei der vorherigen Wahl. Eine mögliche Erklärung: Der Scanner könnte Stimmen nicht erkannt haben, weil das Feld zu blass markiert war. Bei Stimmen, die per Wahlcomputer abgegeben wurden, druckt das Gerät eine Art Quittung, erklärt Thomas Reintjes. Wähler können so direkt sehen, ob die Stimme für den richtigen Kandidaten gewertet wurde. Und diese Quittungen können jetzt nachgezählt werden.

Wahlcomputer aus den 80er Jahren

Bleibt noch Pennsylvania: Hier sind besonders alte Wahlcomputer aus den 80er Jahren im Einsatz. Das Problem: Sie drucken keine Quittungen, hinterlassen also keinen Paper Trail. Hier hilft also nur noch, die Maschinen selbst zu checken, ob sie manipuliert worden sind. Möglich ist das auf jeden Fall. Hacker haben ja schon im Vorfeld versucht, Einfluss auf die Wahl zu nehmen. Sie haben E-Mails der Demokratischen Partei kopiert und bei Wikileaks veröffentlicht. Also könnten es Hacker auch darauf anlegen, die Wahlmaschinen zu manipulieren. Computerexperten sagen, es sollte eigentlich Standard bei jeder Wahl sein, zumindest stichprobenartig zu überprüfen, ob das Wahlergebnis gehackt worden sein könnte - um Manipulationen auszuschließen und Vertrauen in den Wahlprozess herzustellen.

"Auch wenn ein Hackerangriff auf Wahlcomputer unwahrscheinlich ist, sollte man zumindest stichprobenartig überprüfen, ob und was passiert ist."
Thomas Reintjes, DRadio Wissen

Wahlmaschinen hängen zwar nicht am Internet, allerdings werden die Geräte vor der Wahl mit neuen Daten gefüttert - und diese Daten werden von einem anderen Computer übertragen - und so könnten Hacker Schadsoftware einschmuggeln. Alex Halderman, Informatiker von der University of Michigan, hat darüber auf seinem Blog auf Medium geschrieben. Seine These: Wenn seine Studenten böse Absichten hätten, könnten sie eine Wahlmaschine innerhalb von wenigen Sekunden manipulieren. Und das würden sie natürlich so anstellen, dass die Schadsoftware im Testbetrieb vor der Wahl inaktiv bleibt und sich nach der Wahl von selbst löscht.

Es ist also klar: Neuauszählungen, am besten per Hand, sind sinnvoll. Am 13. Dezember 2016 müssen die Ergebnisse vorliegen. Eine ziemlich knappe Deadline. Denn als Erstes müssen Leute rekrutiert werden, die die ganzen Stimmen zählen. In Wisconsin und Michigan sind das insgesamt knapp acht Millionen.