Total entspannt und super zufrieden mit der eigenen Leistung? Das kann sich schnell ändern, wenn wir merken, dass andere mit dem gleichen Einsatz mehr rausholen. Das verdammte Vergleichen - wir können es einfach nicht lassen.

Verdient der etwa mehr als ich? Dieser Frage können wir gerade ausgiebig im aktuellen Gehaltsatlas nachgehen. Denn hier wird schön nach Bundesland aufgelistet, wer wo am meisten verdient. Noch schlimmer wird die Vergleichswut, wenn wir uns im näheren Umfeld umschauen, bei den Kollegen, Nachbarn, Mitbewerben. "Vergleiche machen nur unglücklich", sagen die einen. Oder sind sie gar nicht so schlecht?

Mein größter Kritiker bin ich

"Alle anderen...und ich" - Wenn Vergleiche so anfangen, türmen sie sich in uns schnell zu riesigen Ungetümen auf. Dabei merken wir oft gar nicht, wie schief diese Vergleiche sind. Denn unsere Datenbasis ist nie ausgewogen: Über uns wissen wir im Verhältnis immer mehr als über die anderen. Und gehen daher mit uns gleich härter ins Gericht, erklärt die Psychologin Yvonne Keßel.

"Jeden Fehler, den ich gemacht habe, jede Stelle am Körper, die mir nicht gefällt, jeder dummen Satz, den ich gesagt habe - alles Dinge, die man von anderen NICHT weiß. Deshalb neigt man dazu, bei Vergleichen eher schlecht abzuschneiden."
Yvonne Keßel, Psychologin

Ganz gleich, was wir machen, Vergleiche lassen sich nicht einfach ausblenden. Sobald wir uns in die Gesellschaft anderer Menschen begeben, registrieren wir die tolleren Haare, die größeren Erfolge oder die fettere Portion in der Kantine.

Vergleichsresistentes Selbstbewusstein

Ganz ohne Vergleichen geht es also nicht: Dann würden wir nach nichts mehr streben oder uns mit zu wenig zufrieden geben. Vergleichen hilft uns nämlich auch dabei, Ungerechtigkeiten zu erkennen, sagt Psychologin Yvonne Keßel. Zum Beispiel, wenn ich jetzt rausfinde, dass Kollege X für den gleichen Job viel mehr Kohle bekommt.

"Was hilfreich ist, ist sich mit sich selbst zu vergleichen. Also zu gucken, wo steh ich jetzt, wo stand ich mal und wo will ich hin. "
Yvonne Keßel, Psychologin

Dabei kommt es aber auf die Perspektive an: Nicht verbittert am Erfolg der anderen graben, sondern sich überlegen: Was will ich denn eigentlich? Was macht mich glücklich?