Stellt euch vor, ihr rollt mit eurem Fahrrad auf eine rote Ampel zu und sie switcht wie von Zauberhand auf Grün... und die nächste auch!! Ein Pilotprojekt im dänischen Aarhus ermöglicht Radfahrern freie Fahrt - um mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen.

Aarhus, die zweitgrößte dänische Stadt, hat sich vorgenommen, fahrradfreundlicher zu werden. Um herauszufinden, was Menschen bislang noch davon abhält, vom Auto aufs Rad umzusteigen, haben die Stadtplaner deshalb eine Umfrage gestartet. Das Ergebnis: Es sind die roten Ampeln. Viele Aarhuser, die eigentlich gern Rad fahren würden, nehmen dennoch das Auto - weil die Ampelschaltungen auf den Autoverkehr abgestimmt sind und sie dann nicht die ganze Zeit vor roten Ampeln warten müssen.

Chip im Vorderrad

Die Stadtplaner haben daraufhin in einem Pilotprojekt 200 Radfahrern die Macht über die Ampeln gegeben: Die Test-Teilnehmer haben einen RFID-Chip in ihr Vorderrad eingebaut. Wenn die Radfahrer damit an einem Sensor vorbeifahren, der ein Stück vor der Ampel angebracht ist, triggert der Sensor die Ampel und sagt ihr, dass sie auf Grün springen soll - natürlich nur, wenn sich gerade kein Auto auf der Kreuzung befindet.

Die Idee dahinter: Den Fahrradfahrern Priorität geben und dabei ein ähnliches System nutzen, das im Autoverkehr schon länger verwendet wird, erklärt Netzautorin Martina Schulte: "Unter dem Asphalt vor vielen Ampeln sind ja auch magnetische Sensoren eingebaut, die die Ampel auf Grün schalten, wenn ein Auto darauf zurollt."

Bis jetzt keine Unfälle

Schon seit April 2015 läuft das Projekt in Aarhus und zwar - wie das Smithonian Magazine schreibt - relativ erfolgreich: Die Fahradfahrer sind glücklich. Es gab keine Fälle, wo die Ampel zur falschen Zeit umgeschaltet hat und auch keine Unfälle oder sonstige Verwirrung. Auch die Autofahrer haben sich bisher nicht beschwert.

"Probleme gibt es bisher noch beim Design: Zum Beispiel sind die RFID-Tags, die die Radfahrer an ihr Vorderrad schrauben müssen noch ziemlich unförmig und hässlich."
Netzautorin Martina Schulte

Die Verantwortlichen wollen das Projekt nun noch weiter technisch verbessern und Anfang 2016 auf mehr Ampeln sowie auf 1000 Radfahrer ausweiten, berichtet Martina Schulte: "Laut der Firma, die das Projekt für Aarhus durchführt, ist das Konzept prinzipiell auf jede Stadt übertragbar." Lissabon und Athen hätten bereits Interesse signalisiert.

Oslo will Autos bis 2019 sogar komplett aus dem Zentrum verbannen und auch in den USA gibt es viele Städte, die Radfahren fördern wollen, sagt Martina Schulte: "San Fransisco will Fahrradfahrern zum Beispiel erlauben, über Kreuzungen zu rollen, sodass sie nicht anhalten müssen."