Chipet chipetpetpet. Jibili jibili jibili shack shack. Fast wie Drumbeats, mal schneller mal langsamer. Ein älterer Mann trägt seltsame Töne vor. Er ist ein Vogelmann am Ufer des Bosporus. Wie ihn gibt es viele in Istanbul. Um Vögelmänner und ihre Liebe zu den Stadtvögeln geht es in einer Fotoserie von Cemre Yesil und Maria Sturm.

Auslöser für die Fotoreise war ein Youtube-Video, das 2013 in der Türkei ziemlich durch die Decke ging. Es zeigt den beschriebenen Vogelmann, der Zwitscher- und Zirplaute eines Vogels imitiert - und erklärt. "Es ist eine Art Virusvideo. Meine Freundin Cemre Yesil hat mir das gezeigt. Ich wollte danach unbedingt in die Türkei kommen und Fotos von denen machen", erzählt Maria Sturm.

Keine echten Vögel auf den Fotos

Ihre Fotos zeigen Großväter, Väter und Jungen. Ihr Wissen geben die Alten weiter. Sie sind Respektspersonen, die viel Zeit mit einem Vogel verbringen. Und die jungen sind begeistert. Echte Vögel sieht man aber auf keinem der Bilder. "Die Vogelmänner haben immer Käfige dabei. Wir fanden es spannender, Fotos zu machen, ohne die Vögel zu zeigen.“ In den Kaffees, in denen sie sich treffen, sind überall Zeichnungen und Bilder der Tiere zu sehen.

In Rumänien geboren, in Augsburg aufgewachsen, lebt Maria Sturm eigentlich in Berlin. Mit der Kamera ist sie viel unterwegs. Eine andere Fotoserie führte sie nach Rumänien. Dort fotografierte sie junge Roma-Teeniepaare. "Be good" ist aber keine Sozialreportage über Roma. Es geht um Jugendliche, denen die Jugend genommen wird.

"Be good" heißt im Rumänischen jungfräulich

Ob es komisch ist, vor den versammelten Familien über Jungfräulichkeit zu sprechen? Für Maria Sturm war es kein Problem und auch die jungen Frauen waren erstaunlich offen. Ein weißes Bettlaken mit dem Blutfleck drauf sei eine Art Hochzeitsring, erklärt sie. Es ist der Beweis für die Jungfräulichkeit. Aus Erziehungsgründen wird es aufbewahrt, um es den eigenen Töchtern und Nichten zu zeigen. 40 Familien hat Maria Sturm im Rahmen ihrer Diplomarbeit für diese Fotoreportage interviewt und Fotos gemacht.

"Es gibt aber auch Geschichten von geköpften Tauben in der Hochzeitsnacht."

Ihre Motive sind keine Models und vergessen schon oft nach einigen Wochen die Fotosessions. Umso mehr freuen sie sich dann über die Abzüge. Maria Sturm möchte die Leute vor ihrer Kamera nicht überfordern und ist deshalb eher reduziert unterwegs. Mit Mittelformatkamera plus Digitalkamera als Backup. Ihr nächstes Projekt sind Fotos von jungen Native Americans von nicht anerkannten Stämmen: "Die entsprechen mal so gar nicht dem stereotypen Bild eines Native American." Mit dieser Reportage startet sie Ende des Jahres ihr Fullbright Master Stipendium in den USA.

Porträt einer jungen Rumänin in der Fotoserie
Porträt einer jungen Rumänin in der Fotoserie "Be good".