In vielen deutschen Städten eröffnen die Weihnachtsmärkte. Mit Touristen aus den USA dürfte dieses Jahr allerdings weniger zu rechnen sein. Das US-Außenministerium warnt seine Bürger wegen der anhaltenden Terrorgefahr, auf Weihnachtsmärkte zu gehen. Müssen wir uns wirklich Sorgen machen? Und wie reagieren die Besucher auf den Weihnachtsmärkten darauf?

Von wem die US-Behörden die Informationen haben, dass deutsche Weihnachtsmärkte von Anschlägen bedroht sind, ist nicht klar. "Sie sprechen nur von glaubhaften Informationen, nach denen vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit die Gefahr für Terroranschläge besonders groß sei", sagt unser Reporter Johannes Döbbelt.

"Dass der IS Anschläge in Europa und auch Anschläge in Deutschland verüben will, das wissen wir seit Langem, das hat er mehrfach bekundet."
Michael Götschenberg, ARD-Terrorismusexperte

Öffentlich, so Michael Götschenberg weiter, "sagen die Sicherheitsbehörden zwar immer, an der Bedrohung hat sich nichts geändert", doch "hinter den Kulissen hört man aber eben doch, dass die Gefahr eines Anschlags auch bei uns in Deutschland noch nie so groß gewesen ist wie heute."

Sicherheitsrisiko Weihnachtsmarkt

Auch wenn Polizisten in Zivil und Uniform präsent sind, hat der Weihnachtsmarkt ein großes Problem: Er ist schwer zu sichern. Anders als bei Konzerten oder Fußballspielen gibt es keine Einlasskontrollen. Auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt wollen sich die meisten Menschen den Spaß von den Warnungen aber nicht vermiesen lassen, sagt Johannes Döbbelt, der mit Besuchern vor Ort gesprochen hat:

"Die sind nur neidisch auf die Weihnachtsmärkte hier und von daher, nee, ich glaube, es besteht keine Gefahr."
Besucher auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt

Dennoch kommen bei dem ein oder anderen Besucher Erinnerungen an den in der Düsseldorfer Altstadt geplanten Anschlag in diesem Jahr hoch. Anscheinend hatten hier Anhänger des IS geplant, Menschen mit Waffen und Sprengsätzen zu töten. Katrin, mit der Johannes am Glühweinstand spricht, steckt das im Hinterkopf. Sie verdrängt den Gedanken zwar weitestgehend, checkt aber an Orten mit vielen Menschen, wie und wohin sie im Notfall am besten weglaufen kann, erzählt sie.

Kleinere Märkte profitieren von der Terrorangst

Kurz nach den Anschlägen in Paris im November 2015 gingen auf den größeren Weihnachtsmärkten in Deutschland die Besucherzahlen zurück. Tatjana, die auf dem Düsseldorfer Markt Weihnachtsdeko und Duftöle verkauft, ist sich sicher, es war die Terrorangst: "Die Leute haben sehr viel über Terroranschläge gesprochen. Wir haben viele Märkte in Deutschland und wir haben gemerkt, dass Großstädte einfach nicht so gut frequentiert waren wie sonst", sagt sie.

"Die Leute sind dann auf Ausweichmärkte, die sonst nicht so gut liefen, hingefahren. In eher kleinere Städte, weil man dort nicht so eine große Angst hatte, dass dort ein Attentat verübt werden könnte."
Tatjana, Verkäuferin auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt

Dieses Jahr, so sagt Tatjana, sei von einer großen Angst aber nicht so viel zu spüren. Warnungen der US-Behörden gibt es ohnehin immer wieder mal - beim letzten Oktoberfest wurde sogar vor dem starken deutschen Bier und vor Taschendieben gewarnt. Und so bleibt Tatjana weitestgehend entspannt:

"Die Meisten, mit denen ich heute auf dem Weihnachtsmarkt spreche, wollen sich von einer möglichen Terrorgefahr jedenfalls nicht einschränken lassen."
Tatjana, Verkäuferin auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt

Ein bisschen hilft natürlich auch, sagt Johannes Döbbelt, nicht ständig darüber nachzudenken, was alles wo passieren könnte und sich stattdessen eher abzulenken. Und das geht auf Weihnachtsmärkten mit und auch ohne Glühwein ja besonders gut.