In diesem Jahr soll darüber entschieden werden, ob der Dea-Konzern im Wattenmeer weitere Ölbohrungen vornehmen darf. Naturschützer wollen das verhindern.

Der Dea-Konzern bohrt seit vielen Jahren in der Nordsee. 2007 hat er drei weitere Probebohrungen in der Nähe von Mittelplate an der Dithmarschen Küste und eine weitere an der niedersächsischen Küste kurz vor Cuxhaven beantragt. Der Konzern plant Bohrungen bis in 3000 Meter Tiefe, was einen großen Eingriff ins Ökosystem bedeutet, sagt unsere Korrespondentin Almuth Knigge. Vermutet wird, dass sich dort noch ein großes Ölfeld mit einem Umfang von 20 Millionen Tonnen Rohöl befindet. 2017 soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Konzern bohren darf oder nicht.

Der Dea-Konzern gehört inzwischen dem russischen Unternehmer Michail Fridman. Von Konzernseite aus wird abgewiegelt, was die Gefahren für die Natur angehen. Naturschützer dagegen sagen, dass Naturschutz und Ölbohrungen unvereinbar sind. Weil die Anlagen teilweise veraltet seien, würde das Unfallrisiko steigen. Die Landespolitik ist ambivalent: Einerseits will sie die Natur schützen, andererseits würde durch die Bohrungen auch Geld in die Landeskassen gespült werden. Für Schleswig-Holstein bedeutet es heute schon pro Jahr 100 Millionen Euro.

Naturschutz gegen Wirtschaftsinteressen

Der grüne Umweltminister von Schleswig-Holstein würden die Bohrungen gerne verbieten, der ebenfalls grüne Umweltminister von Niedersachsen appelliert an das Unternehmen, sich ein Beispiel an Shell zu nehmen, die auch nicht mehr in der Arktis bohren, sagt Almuth. Das Genehmigungsverfahren muss eingehalten werden und das bedeutet lange Gutachterverfahren. Am Ende entscheiden die Gerichte über das öffentliche Interesse und das ist zum einen der Naturschutz aber auch die wirtschaftlichen Interessen.

Seit 25 Jahren ist das Wattenmeer Nationalpark und seit 2011 Weltnaturerbe. Nach Öl gebohrt wird aber schon lange vor dem Schutzstatus. Die Genehmigungen wurden bis 2041 erteilt, erklärt Almuth. In den 70er Jahren wurde infolge der Ölpreiskrise durch die OPEC-Staaten damit begonnen, in der Nordsee nach Öl zu bohren. Bis heute ist die Förderung in der Nordsee nach den Öllieferungen aus Russland die zweitwichtigste Quelle für Deutschland.

Als es darum ging das Wattenmeer zu schützen, wurden die Ölfördergebiete aus den Schutzbestimmungen ausgenommen. Jede neue zusätzliche Bohrung muss allerdings genehmigt werden. Im Zweifel müssen Gerichte darüber entscheiden, ob gebohrt werden darf. In den meisten Fällen viel das Urteil eher zugunsten der Unternehmen aus, sagt Almuth.