Die Kryotherapie oder Kältesauna verspricht viel: straffere Haut, Gewichtsverlust, bessere Leistungsfähigkeit, Schmerzlinderung, um nur ein paar Vorteile zu nennen. Bei Promis und Profi-Sportlern ist die Kältetherapie voll im Trend.

Wir wollen wissen, wie es sich anfühlt, drei Minuten lang 150 Grad minus auf nackter Haut zu ertragen. DRadio-Wissen-Reporter Yannic Hannebohn besucht ein Kälteinstitut: Nur mit einer Badehose bekleidet lässt er sich von der Kältesauna-Mitarbeiterin Franzi zur Kältebox begleiten. Sie gibt ihm ein paar dicke Hausschuhe, damit er seine Zehen schützen kann. Yannic hält die drei Minuten durch.

Danach hat er aber ein Taubheitsgefühl auf der Haut und spürt seine Waden nicht mehr. Franzi checkt seine Oberflächentemperatur: An den Waden misst sie noch 5 Grad, am Oberkörper immerhin noch 20 Grad. Das liegt daran, dass der Körper die Wärme aus den Extremitäten abzieht, um die Organe zu schützen.

Bedingt medizinisch wirksam

Die Kältetherapie wirkt entzündungshemmend, sie hebt allgemein die Stimmung, weil sie den Kreislauf in Schwung bringt und Hormone freisetzt, erklärt Andreas Weiss. Der Mannheimer Arzt behandelt seit 20 Jahren seine Rheuma-Patienten mit Kryotherapie.

In puncto Hautstraffung und Gewichtsabnahme muss er Yannic aber enttäuschen. Bislang ist die Kältetherapie wissenschaftlich nicht untersucht worden, daher sponsern die Krankenkasse die Therapie nicht.

"Auf einer Seite habe ich gelesen, 800 Kalorien pro Besuch, wenn sie das mal hochrechnen, das wären 24.000 Kalorien pro Stunde, das ist natürlich aberwitzig."
Andreas Weiss, Arzt

Trotzdem sind 10 Prozent der Kunden in dem Kälteinstitut Profisportler oder Mediziner. Eine große Gruppe unter den Kunden sind Patienten, die die Kryotherapie aus gesundheitlichen Gründen über sich ergehen lassen. Und manche hoffen einfach darauf, dass sie einfach schlanker und straffer aus der Kältebox steigen.

Yannic braucht noch eine Weile, bis sich seine Haut wieder normal anfühlt. Wacher ist er jetzt auf jeden Fall.