Das deutsche Team "Part Time Scientists" nimmt am Wettbewerb "Google Lunar X-Price" teil und entwickelt zwei Rover, die auf dem Mond herumfahren sollen. Die Chancen stehen gut, selbst die ESA hält einen Erfolg für möglich.

Seit den Apollo-Missionen ist das Interesse am Mond deutlich zurückgegangen. Immerhin: China hat vor drei Jahren einen Rover zum Mond gebracht, eine bemannte Mondmission gab es nach Apollo 17 aber nicht mehr und ist auch nicht konkret in Planung.

Auf dem Mond begraben

Trotzdem: Der Mond bleibt spannend und faszinierend. Und wer anbietet, Gegenstände zum Mond zu bringen, kann dafür viel Geld verlangen. So finanziert sich die private Mond-Mission der "Part Time Scientists" unter anderem durch den Verkauf von Transportkapazitäten. 30 Kilogramm können sie anbieten. Die Nachfrage, zum Beispiel Forschungsmaterial oder auch Urnen zum Mond zu bringen, ist groß. Pro Kilo verlangen die privaten Mondfahrer 800.000 Euro.

Rover des Entwicklerteams Part Time Scientists
© dpa
Mond-Rover des Entwicklerteams Part Time Scientists

Die "Part Time Scientists" sind eine Gruppe aus weltraumbegeisterten Ingenieuren und Informatikern, die inzwischen eine eigene Firma in Berlin gegründet haben. Sie sind das einzige noch verbliebene deutsche Team im Wettbewerb "Google Lunar X-Price", den Google ausgeschrieben hat und der mit bis zu 40 Millionen US-Dollar Preisgeld dotiert ist. Es gewinnt das Team, das bestimmte Anforderungen erfüllt:

  • Als erstes einen fahrtüchtigen Rover auf dem Mond absetzen
  • Der Rover muss mindestens 500 Meter auf der Mondoberfläche zurücklegen
  • Scharfe HD-Bilder müssen zur Erde übermittelt werden

16 Teams sind noch im Rennen, das deutsche hat jetzt die nächste Hürde genommen: Sie haben einen Startvertrag. Der sichert ihm einen Platz in einer Rakete zu, die das selbst entwickelte Raumschiff "Alina" mit in die Erdumlaufbahn nimmt.

"Von der Erdumlaufbahn muss man dann quasi selbst schauen, wie man weiter zum Mond kommt", sagt Karsten Becker, Chef der Elektronik-Abteilung der "Part Time Scientists". Der Plan: Raumschiff Alina fliegt weiter zum Mond, landet, entlässt beide Rover auf die Oberfläche, Missionsstart.

"Und dann sind wir sehr, sehr glücklich."
Karsten Becker, Part Time Scientists

Der Wettbewerb "Google Lunar X-Price" und die Arbeit der Part Time Scientists sind nicht nur ambitioniertes Hobby. Es geht um viel Geld. Allein der Start mit der Rakete Richtung Erdumlaufbahn kostet irgendwas zwischen zehn und dreißig Millionen Dollar. Die Part Time Scientists haben Sponsoren, die sie unterstützen. Und dann sind da ja noch die 30 Kilogramm Transportkapazität, die sie für insgesamt für 24 Millionen Euro verkaufen können.

Manche reiche Menschen etwa wollen sich auf dem Mond beerdigen lassen und kaufen den Transport der Urne. Andere, etwa wissenschaftliche Institute, warten nur darauf, Forschungsmaterial zum Mond zu bringen - es gibt ja nur noch selten diese Möglichkeit.

Was das deutsche Entwickler-Team macht, ist Hightech, sonst klappt das nicht mit der Mondlandung. Für die interessieren sich auch die Profis: "Wir nehmen das Projekt sehr ernst", sagt Bernhard Hufenbach, Leiter der Zukunftsabteilung beim Europäischen Weltraumorganisation ESA. "Uns fehlen teilweise die Mittel der Mitgliedsländer. Wir hoffen, dass durch den Wettbewerb neue, stimulative Effekte entstehen."

Der Raketen-Start der "Part Time Scientists"-Mission ist für Ende 2017 bis Anfang 2018 geplant.