Milchbauer, das ist heute ein Hightech-Job. Kaum ein Landwirt, der noch auf der Wiese melkt. Stattdessen schlägt in deutschen Kuhställen die Stunde der Roboter. Und das ist genau richtig so, sagt der Kuhflüsterer Henk Blok.

Baden-Württemberg ist seit Wochen wegen der Landtagswahlen am Sonntag in den Schlagzeilen. Dabei findet das Topereignis schon unter der Woche statt: der Landesmelkwettbewerb. Und auch, wenn heute vor allem Maschinen im Einsatz sind - das Melken per Hand soll nicht in Vergessenheit geraten. Eine Handwerkskunst, über die wir mit Henk Blok gesprochen haben: Kuhflüsterer und Euterfachmann.

Die Kühe kommen zum Landwirt

Ganz wichtig, um zärtlich und effizient zu melken? Die Ruhe im Melkstand bewahren, rät Henk Blok. Vor allem, wenn die Kühe reinkommen. Dann müsst ihr die Tiere richtig stimulieren, damit die Milch laufen kann. Hier ist Vorbereitung alles: Erst jede Kuh mit einem Lappen sauber machen. Dann die ersten Milchstrahlen rausmelken, um zu kontrollieren, dass mit der Milch alles in Ordnung ist. Erfahrene Kühe wissen dann schon, was los ist und schütten das Glückshormon Oxytocin aus.

Jetzt müsst ihr den Milchbecher an die Zitzen anschließen und das so, dass keine Luft angesaugt wird. Zum Schluss noch darauf achten, den Milchbecher rechtzeitig zu entfernen. Die Kühe sollen nicht blind gemolken werden - also nicht mehr gemolken werden, obwohl keine Milch mehr aus dem Euter kommt.

"Die Technik beim Melken rast im Eiltempo voraus."
Henk Blok, Kuhflüsterer und Euterfachmann

Alle Nostalgiker müssen allerdings stark sein: Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Kühe noch von Hand auf der Alm gemolken wurden, erzählt Henk Blok. Heute melken Bauern per Roboter oder mit dem sogenannten Karussell. Oder um es kurz zu machen: Die Kühe kommen zum Landwirt und nicht mehr der Landwirt zu den Kühen.

Bei 60 bis 75 Prozent der Betriebe legt der Bauer noch selbst Hand an die Kuh an, schätzt Henk Blok. Es gibt aber auch Betriebe, in denen Maschinen und Roboter die gesamte Arbeit erledigen. Vom Reinigen der Zitzen, über das Stimulieren bis zum Melken. Schmecken kann selbst ein Fachmann wie Henk Blok nicht, ob eine Kuh von einem Menschen oder vom Androidbauern gemolken wurde.

"Die Landwirte haben dank der Roboter mehr Kontakt mit den Kühen, als wenn sie morgens und abends melken müssten."
Henk Blok, Kuhflüsterer und Euterfachmann

Wenn mit dem Roboter gemolken wird, lebt die Kuh dagegen nach ihrem eigenem Rhythmus. Sie wird nicht zusammengetrieben, um zum Melkstand gebracht zu werden, sondern kann selber entscheiden, wann sie Lust zum Melken hat. Die Tiere werden mit Kraftfutter zur Melkmaschine gelockt, wo sie dann automatisch gemolken werden kann. Und auch für den Landwirt schafft das mehr Freiheit, weil er nicht jeden Morgen um sechs Uhr im Stall stehen muss. Er kann an Weihnachten mit seiner Familie um den Baum sitzen, während der Roboter seine Kühe melkt.