Flüchtlinge haben oft alles verloren - auch Schulzeugnisse oder Ausweise. Markus Kreßler hat daher eine Online-Uni gegründet, an der Flüchtlinge ohne bürokratische Hürden studieren können.

Abi-Zeugnis, Ausweis, Aufenthaltsgenehmigung: Wer an einer deutschen Uni studieren möchte, braucht viele Unterlagen. Für Flüchtlinge, die fast alles verloren haben, ist es also fast unmöglich, ein Studium zu beginnen oder fortzusetzen. Markus Kreßler wollte das ändern - und hat zusammen mit Freunden eine Online-Uni für Flüchtlinge gegründet, an der Flüchtlinge auch ohne die sonst geforderten Dokumente studieren können: Ohne Studiengebühren und auf Englisch, um Sprachbarrieren so niedrig wie möglich zu halten.

"Weltweit gibt es sechs bis sieben Millionen Flüchtlinge, die schon angefangen haben zu studieren oder studieren könnten. Das sind alles Menschen, deren Talent im Moment auf Standby gestellt ist."

Online und auf Englisch

Jeder kann hier studieren

Die Wings University sei grundsätzlich für jeden zugänglich, der grundlegende Kenntnisse in Englisch hat, sagt Markus Kreßler, der selbst noch Psychologie und Wirtschaftskommunikation in Berlin studiert: "Wir bieten aber auch Englisch-Sprachkurse an." Interessierte können sich zu Anfang erst einmal einen Überblick verschaffen über das Kursangebot der Wings Universität, das online verfügbare Kurse aus der ganzen Welt enthält, erklärt Markus Kreßler: "Wenn man sich dann für ein Fach entschieden hat, kann man einen Test schreiben - und wird dann regulär als Student eingeschrieben."

"Das Problem ist, dass viele Politiker nicht verstehen, dass Flüchtlinge und ihre Talente auch eine riesige Chance sind."

Am Ende können die Studenten an einer der Partneruniversitäten einen vollwertigen Abschluss machen, sagt Markus Kreßler. Auf lange Sicht sei angestrebt, dass die Wings University auch selbst eine anerkannte Universität wird, die Abschlüsse vergeben kann. Das sei wichtig, sagt Kreßler, um das Potenzial, das viele Flüchtlinge mitbringen, ausreichend zu fördern - schließlich herrsche in Deutschland in manchen Branchen Fachkräftemangel.