CSU-Politiker aus Zorneding haben den Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende beschimpft und mit rassistischer Hetze überzogen. Jetzt hat er seine Gemeinde verlassen.

Vor drei Jahren hat der 66-jährige Olivier Ndjimbi-Tshiende die Pfarrei Sankt Martin in Zorneding übernommen. Der gebürtige Kongolese lebt seit 2005 in Deutschland und ist seit 2011 deutscher Staatsbürger. Als im vergangenen Jahr die CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher im Parteiblatt "Zornedinger Report" über die "Invasion" afrikanischer "Militärdienstflüchtlinge" hetzte, hielt Pfarrer Ndjimbi-Tshiende dagegen.

Darauf wird Johann Haindl, ein Parteifreund Sylvia Bohers, in der Ebersberger Zeitung zitiert, wie er den Pfarrer als "Neger" bezeichnet und ihm verdeckt droht. Danach erreichten den Pfarrer etliche Schmähbriefe und Drohungen - bis er am 7. März 2016 die Konsequenzen zog und sich von seinem Amt beurlauben ließ.

"Jetzt ist der Pfarrer weg und die Hölle ist los bei den Zornedingern. Seit dem Pfarrerrücktritt steht ihr Dorf unter kritischer Beobachtung."
Maximilian Muth, Korrespondent in Bayern

Die Zornedinger sind erschüttert, es gibt Demonstrationen, Lichterketten und eine Petition, der Pfarrer solle doch zurückkehren. Zu spät kommt diese Solidarität mit Olivier Ndjimbi-Tshiende. Kurz nach der Äußerung Sylvia Bohers stand der CSU-Ortsvorstand und die Gemeinderatsfraktion noch geschlossen hinter ihrer Vorsitzenden. Inzwischen ist sie und ihr Stellvertreter vom Vorsitz zurückgetreten. Ihr Ratsmandat hat Sylvia Boher noch inne.

"Man hätte Konsequenzen ziehen müssen von Seiten der CSU-Führung und des Bürgermeisters", sagt eine Zornedingerin unserem Korrespondenten. Ein Rücktritt von sämtlichen Ämtern und eine Entschuldigung gegenüber Olivier Ndjimbi-Tshiende wäre ihrer Ansicht nach angebracht gewesen.

"Olivier Ndjimbi-Tshiende ist eher erleichtert und froh, dass er die Entscheidung getroffen hat und schaut jetzt nach vorne auf neue Aufgaben, die auf ihn zukommen."
Bernhard Kellner, Sprecher des Bistums München und Freising

Die CSU-Bezirksvorsitzende Ilse Aigner ist für den Ortsverband Zorneding zuständig. Die bayerische Wirtschaftsministerin halte es für eine böswillige Absicht, wenn zwischen den rassistischen Äußerungen und der CSU eine Verbindung hergestellt würde. Das SPD-Gemeindratsmitglied Werner Hintze ist dagegen überzeugt, "wenn von vorneherein eine klare Stellung bezogen worden wäre, dass sich dann weniger Leute ermutigt gefühlt hätten, so etwas zu machen."

Laut eines Statements des Bistums München und Freising hat sich Pfarrer Ndjimbi-Tshiende mit Sylvia Boher ausgesprochen und versöhnt. Eine Rückkehr sei für ihn dennoch ausgeschlossen.

Zorneding ist circa 9000 Einwohner stark und liegt rund 20 Kilometer östlich von München.

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