Mit der Lichthupe andere von der Überholspur drängeln - das wird in China immer mehr zur Marotte im Straßenverkehr.

In der östlichen Millionenstadt Wenzhou greift die Polizei jetzt auf ungewöhnliche Weise durch. Wie die Zeitung People´s Daily berichtet, wurden allein in einer Nacht 1.800 Fahrer wegen unerlaubten Aufblendens angehalten. Die Polizei stellte die Verkehrssünder vor die Wahl: Entweder eine Strafe von umgerechnet sechs Euro oder der Rüpel soll sich vor das eigene Auto setzen und selbst ins Fernlicht gucken - einige Minuten lang. Über die Hälfte soll sich fürs Ins-grelle-Fernlicht-Gucken entschieden haben.

Die vom Aufblenden genervten Verkehrsteilnehmer in Wenzhou wissen sich aber auch selbst zu helfen: Sie kleben mittlerweile große reflektierende Aufkleber in ihre Heckscheibe - mit Horrormotiven. Blendet ein Drängler auf, starren ihn Zombies und Vampire an.

Weil die Verkehrspolizei gegen Rowdys im Straßenverkehr kaum noch ankommt, greift sie immer häufiger zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Auf der Insel Hainan etwa soll es Sippenhaft-Strafen gegeben haben. Wenn ein Familienmitglied etwa über eine rote Ampel gefahren ist, bekam die gesamte Familie eine Lektion in Sachen Verkehrsregeln. Zivilbeamte verfolgten die Verkehrssünder bis nach Hause und brachten dann gleich ein ganzes Fernsehteam mit. Vor laufenden Kameras musste die ganze Familie dann Verkehrsregeln auswendig lernen.

Verkehrsunfälle sind in China nachwievor ein großes Problem. Jährlich kommen etwa 200.000 Menschen bei Unfällen ums Leben, meistens Fußgänger. Hauptgrund für die hohen Unfallzahlen ist meist Unerfahrenheit. Im letzten Jahrzehnt kamen in China pro Jahr etwa 15 Millionen neue Fahrzeuge auf die Straße und es gab 20 Millionen Fahranfänger.