Wir verbringen eine Menge Lebenszeit bei der Arbeit. Es lohnt sich also, wenn wir uns rechtzeitig Gedanken über unsere Stärken und Berufswünsche machen.

Jeden Tag acht Stunden, 46 Wochen im Jahr, 40 Jahre lang. Das können gute Aussichten sein - sofern der Job stimmt. In Deutschland haben offenbar viele Jugendliche Probleme, eben den zu finden. Ein Viertel der Azubis steigt laut Berufsbildungsbericht vorzeitig aus dem Ausbildungsvertrag aus - einige davon hatten also eventuell falsche Vorstellungen davon, was sie in ihrem Job erwartet.

Früh Potenziale für Jobs erkennen

In den Zweitausendern gab es an Schulen nicht viel Unterstützung bei der Berufsfindung, erinnert sich DRadio-Wissen-Reporterin Julia Möckl: "Meine Berufswahl verlief eher nach dem Prinzip Zufall. Auf jeden Fall ohne viel Hilfe in der Schule. Das ist mittlerweile anders."

"Wir schauen, wie sieht es mit der Teamfähigkeit aus? Mit Materialien teilen, mit respektvollem Umgang? Wie kommunizieren die Schüler, wie diskutieren die miteinander?"
Karen Bresser, angehende Jugendtherapeutin

Heute gibt es schon für Achtklässler sogenannte Potenzialanalysen, um herauszufiltern, wo es beruflich mal hingehen könnte. In der Jugendhilfe Köln macht Karen Bresser Gruppenübungen mit Jugendlichen. Dabei planen sie zum Beispiel eine fiktive Klassenfahrt. Sie sollen kreativ werden und sich in der Gruppe verhalten.

"Wenn zum Beispiel jemand nicht gern die Führung übernimmt, dann sollte er das auch in seinem Job später nicht tun müssen", sagt die angehende Jugendtherapeutin Karen Bresser. Anders herum heißt das: Wenn etwas leicht fällt und Spaß macht, können die Jugendlichen vielleicht später daran anknüpfen.

Der Job muss nicht Lebensmittelpunkt sein

Auch Tatjana Schnell findet es gut, Jugendlichen dabei zu helfen, ihre Stärken und Potenziale zu erkennen. Doch das allein reiche nicht, sagt die Psychologin. Laut Tatjana Schnell ist ein Beruf erst dann der richtige, wenn er uns sinnvoll erscheint - egal ob als Arzt, Friseur oder Busfahrer. Die Psychologin forscht zum Thema Arbeitsmotivation und sagt: "Der Beruf, in dem ich arbeite - auch wenn er nicht die Quelle meines Lebenssinns ist - sollte mir doch sinnvoll erscheinen."

"Zu wissen, was ich gut kann, heißt noch nicht, zu wissen, wofür ich auch bereit wäre, viel Anstrengung oder eine mehrjährige Ausbildung hinzunehmen."

Nur weil jemand zum Beispiel ein super Sportler, Musiker oder Bastler ist, heißt das noch lange nicht, dass er oder sie diese Tätigkeiten zu seinem Job machen möchte oder sollte. Die entscheidende Frage laute: "Was ist mir wirklich wichtig genug, dass es mich motiviert, darin gut zu werden und auch Anstrengung zu erbringen", sagt Tatjana Schnell.

"Wer seinen Traumjob sucht, muss seine Träume kennen."

Um herauszufinden, welchen Beruf wir sinnvoll finden, rät die Psychologin: Viel ausprobieren und Praktika machen. Und sich fragen: Was ist mir wirklich wichtig im Leben?

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