Beton ist zurzeit das schärfste Material in der Innenarchitektur. Und darum widmen wir uns in dieser Einen Stunde Netzbasteln dem Beton - in durchsichtiger und klassischer Form

Beton, der unsichtbar ist? Nicht nur in Deutschland würden sich viele Menschen darüber freuen. Zu eskapistisch wurde und wird der Baustoff weltweit eingesetzt, für Gebäude, Brücken, Stadtteile. Das das Bauen mit Beton ist zwar praktisch, schnell und günstig - aber zu oft so grau, unansehnlich und unmenschlich, dass man eine ganze architektonische Stilrichtung Brutalismusgenannt hat - und viele Betonschandtaten gerne loswürde, wäre das mit dem Sprengen nicht so schwierig.

Ein vielseitiger Werkstoff

Dabei hat sich etwas getan seit den schlimmsten Beton-Orgien: das Material wird immer vielseitiger, vom Unterwasserbeton bis zum ultrahochfesten Beton, der unerahnt filigrane Bauwerke ermöglicht. Auch immer mehr Künstler und Designer verwenden Varianten des grauen Flüssigsteins im Innenraum: für Möbel, Lampen oder Accessoires. Betonguss ist einfach und DIY-Plattformen wie Instrucables.com sind voller Beton-Ideen. Und sogar durchsichtiger Lichtbeton ist machbar: mit Hilfe tausender eingegossener Glasfasern, die Lichteinfall verblüffend hell von der einen zur anderen Seite transportieren, was einen tollen Silhouetten-Effekt erzeugt. Nur ein paar wenige Firmen weltweit fabrizieren patentierten Lichtbeton - und lassen ihn sich gut bezahlen.

Beton selber machen

Doch transluzenten Beton kann man auch selber herstellen - theoretisch. In der 31. Ausgabe von "Eine Stunde Netzbasteln" werden wir konkret - aber leider läuft diesmal einiges schief. Mit dem Architekten Klaus Meyer und dem Künstler Matze Görig rührt Moderator Moritz Beton an und gießt diesen in eine Lampe aus zwei Plastikflaschen. Die gelingt zwar - doch die innere Flasche lässt zwei Tage später sich nicht richtig entfernen - etwas Vaseline beim Betonieren hätte vielleicht geholfen. Außerdem überschreibt der Recorder fast alle Aufnahmen dieser ersten Expertenrunde - nur die Fotos sind geblieben.

Durchsichtiger Beton

Im zweiten Betonier-Anlauf besucht Moritz den Beton-Designer Michael Villanueva in dessen Werkstatt-Atelier "Think Concrete" in Berlin-Kreuzberg. Vom USB-Stick bis zum aufwändigen Tresen verwirklicht er die ausgefallensten Betonideen. Dazu komt Diplom-Architekt Florian Böhm, der von Architekturgeschichte, Baustellen und Beton-Booten erzählt. Plätzchenformen aus transluzentem Beton wollen wir diesmal gießen, Sternchen und Katzen, die Wappentier des Internets, da, wo wir die bisher einzige Anleitung für DIY-Lichtbeton gefunden haben.

Katzen aus Beton

Doch am Ende scheitern die Lichtbeton-Katzen - zwar scheint Licht hindurch - doch Moritz' mitgebrachter Schnellzement ist ungeeignet zur Weiterverarbeitung und die Plätzchenformen auch. Zu schnell verklumpt der Zement und wird beim Herausnehmen aus den Bleckförmen klumpig. Mehrere Tage trocknender Feinbeton in Silikonformen hätte sicher funktioniert. Doch halb so wild: Durch Fehler lernt man am meisten. Und dass Beton ein wirklich vielseitiges, ästhetisches und anspruchsvolles Bastelmaterial ist, das wissen wir jetzt trotzdem.