Mit Mitte 20 ins Ausland zu gehen ist super: klasse fürs Studium und den Job, man kann grenzenlose Freiheit genießen und sich austoben. Aber wie ist es, als Teenager ins Ausland gehen zu müssen - weil Vater oder Mutter vom Arbeitgeber entsandt werden. Die Frage hat sich Marie Sander für ihre Doktorarbeit im Fach Ethnologie an der Uni Heidelberg gestellt.

Wie in der Wirtschaft werden sie Expats genannt: Fachkräfte, die vor allem im Ausland arbeiten. Und wenn Eltern als Expats in der Welt unterwegs sind, nehmen sie ihre Kinder mit, ob die nun wollen oder nicht. Nach Deutschland geht es dann erst wieder, wenn das eigene Leben unabhängig von den Eltern beginnt. Sie kommen zurück in ein Land, das ihnen fremd ist und dennoch ihre Heimat sein soll, nachdem sie teils gegen ihren Willen ins Ausland gezogen sind.

"Es ist gar nicht so einfach, wieder nach Deutschland zu kommen: Alle denken, man kenne sich hier als Deutscher aus, aber man selbst merkt, dass man nicht einmal einen Brief bei der Post aufgeben kann."
Marie Sander, Ethnologin

Marie ist für ein Jahr nach Shanghai gegangen, um dort Feldforschung zu betreiben. Sie hat sich mit Expat-Kindern getroffen, sie kennengelernt und herausgefunden, wie ihr Leben in der Fremde aussieht. Die meisten von ihnen sind für drei bis fünf Jahre in China, weil ihre Eltern für den Job dorthin gezogen sind. Oft ist das nur der Anfang: Von Shanghai geht es nach Südamerika, nach Kanada, nach Japan oder wohin auch immer.

Die Welt wird zur Heimat

Deutschland ist den Expat-Kindern nach all den Jahren im Ausland fremd geworden. "Ich glaube schon, dass viele dann einen internationalen Weg suchen und gehen werden", sagt Marie. Wie schon ihre Eltern werden auch viele von ihnen ihr Leben und ihr Zuhause auf der ganzen Welt und an vielen verschiedenen Orten finden.