Hundebesitzer sind selbstverständlich davon überzeugt, dass Hunde Liebe empfinden können. Wissenschaftler sind geteilter Meinung.

Der Tierverhaltensforscher Marc Bekoff hat keinen Zweifel daran, dass Hunde Liebe empfinden können. Liebe definiert er als eine soziale Bindung zwischen zwei Individuen - Menschen oder Tiere - mit einer starken Zuneigung füreinander. Bekoff ist Ethologe und erforschte an der "University of Colorado" jahrzehntelang das Verhalten von Tieren.

Manche Hunde lieber als andere

Bekoff bezieht sich damit auf eine Studie, die kürzlich in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" Ergebnisse zur Gefühlswelt von Hunden lieferte. Die Forscher von den japanischen Universitäten Tokio und Kanagawa haben die Wirkung des Hormons Oxytocin untersucht - auch Kuschelhormon genannt. Das Hormon ist bei Menschen wie bei Hunden eine wichtige Stütze, wenn wir mit anderen Individuen interagieren. Denn Oxytocin steigert unsere Bereitschaft, uns anderen anzunähern oder sogar zu vertrauen. In einem Experiment mit Hunden haben die Forscher in Japan herausgefunden: Sobald die Tiere mit ihren Besitzern oder mit Artgenossen Zeit verbringen, schütten sie verstärkt Oxytocin aus.

Skeptisch gegenüber der Liebesfähigkeit von Hunden ist dagegen Juliane Bräuer. Sie erforscht am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena die kooperativen, kommunikativen und metakognitiven Fähigkeiten von Hunden.

"Liebe, das impliziert auch so ein romantisches Gefühl und das halte ich jetzt für nicht besonders realistisch."

Aber auch für Bräuer steht fest, dass Hunde unterschiedliche soziale Bindungen führen können, indem sie manche Menschen oder auch manche Hunde lieber mögen als andere. Für die Zukunft schließt auch sie nicht aus, dass künftig von Liebe gesprochen werden kann. Abhängig werde dies von der Definition des Begriffs sein. Und den verbindet die Wissenschaftlerin bis jetzt mit romantischen Gefühlen, die sie so noch nicht Hunden zuordnet.