Joy Denalane hat ihre letzte Platte in die Tonne gekloppt. Ihr neues Album "Gleisdreieck" fühlt sich jetzt richtig an. Der Titel ist nicht nur eine Metapher, sondern auch Teil ihrer Berliner DNA.

Das Gleisdreieck ist eine Berliner U-Bahn-Station, heute mit einem großen Park. In Joy Denalanes Jugend lag dort noch eine Industriebrache. Viel war da nicht: "Das Auffälligste hinter unserem Haus war die Berliner Mauer. Ansonsten viel Fläche von Nichts", erinnert sich die Sängerin.

Berlin als Stadt der Möglichkeiten

Das neue Album "Gleisdreieck" ist aber nicht rückwärtsgewandt. Ein Gleisdreieck ist überhaupt eine schöne Metapher, findet Joy: "Der Bahnhof des Lebens, des Wandels, der Begegnung und der Verabschiedung." Das passt extrem gut, weil der Ort auch Teil ihrer DNA ist, sagt die Berlinerin.

"Berlin ist eine Stadt der Pioniere, der Bewegung und des Wandels. Das macht natürlich was mit den Leuten, die da leben."

Joys Grundschule war in der Nähe des Checkpoint Charly, an der Kochstraße. Und mit 16 zog sie von zu Hause aus. Dass ihr 16-Jähriger Sohn das heute macht, kann sie sich nicht vorstellen. Sie ging wegen ihrer großen Brüder früh weg - die waren ihre Vorbilder: "Ich fühlte mich mit 16 der Welt gewachsen. Für meinen Geschmack war ich ein vorsichtiges, umsichtiges Mädchen."

Zweifel und Neuanfang

Vieles entscheidet Joy spontan aus dem Bauch heraus. Ihr letztes Album hat sie eingestampft, es ist nie erschienen. "Es ist schlimm, festzustellen, dass man zwei Jahre lang voll daneben lag. Wenn man sowas erlebt, zweifelt man natürlich total an sich", sagt sie. 

"Man muss auch mal scheitern, Fehler machen und in die falsche Richtung gehen, um was Neues zu entdecken."
Joy Denalane

Statt eines Konzeptalbums ist "Gleisdreieck" nun eher eine Sammlung von Songs. Als Joy das Gefühl hatte, genügend Stücke zusammen zu haben, bat sie Kahedi - das Produktionsteam um Max Herre - den Großteil des Albums zu produzieren. Ihr ging es dabei weniger um Sounds, die aktuell angesagt sind, sondern mehr um ihren persönlichen Geschmack. Denn: "Das Einzige, was ich habe, ist meine Authentizität", sagt Joy.