Weil Spotify erst nach mehr als 30 Sekunden für einen Stream-Abruf bezahlt, hat ein Label ein Album herausgebracht, auf dem alle Songs genau 31 Sekunden lang sind.

Viel verdienen Musiker nicht bei Spotify: Zwischen 0,2 und 0,9 Cent bekommt ein Musiker pro Stream-Abruf, wenn der Song länger als 30 Sekunden läuft, sonst gibt es nichts.

Das Label Analogsoul hat deshalb Musiker eingeladen, Stücke mit 31 Sekunden Länge zu produzieren, hat diese unter dem Albumtitel #31s veröffentlicht und bei Spotify hochgeladen. Für Label-Chef Fabian Schütze ist das hörbarer Protest gegen die Praktik des Streamingdienstes.

Wenn ein Hörer das Album #31s durchhört, werden in einer Stunde wesentlich mehr Songs abgespielt, als wenn die Titel circa drei Minuten lang sind. Damit wandert mehr Geld in die Label-Kasse.

Das Musik-Business würde auf die Spotify-Praktik bereits reagieren. Genauso wie die Formate Schallplatte oder Single-Platte die Länge von einem ganzen Album oder von einem einzelnen Song bestimmt hätten, passen sich die Songs den digitalen Verbreitungsformen an: Die Form bestimmt den Inhalt.

Fabian Schütze Label-Chef von Analogsoul
© Hagen Wolf
"Wir wünschen uns, dass Musik weiterhin als Wert besteht, egal in welchem Format sie vorliegt", sagt Fabian Schütze, Label-Chef von Analogsoul.

Einige Musiker fanden die Begrenzung auf 31 Sekunden eine kreative Herausforderung und haben ihre Songs genau auf die Länge konzipiert, erzählt Fabian. Andere hätten gesagt, dass sie in der Zeit nur Fragmente zeigen könnten. Daher klingen manche Stücke auf #31s tatsächlich so, als ob sie einfach abrupt aufhören.

Hinter der 30-Sekunden-Regel von Spotify steckt die Überlegung, dass ein Song als angehört gilt, wenn er 30 Sekunden gestreamt wurde. Damit soll der Möglichkeit ein Riegel vorgeschoben werden, quasi per "Clickworker" die Abrufzahlen künstlich in die Höhe zu treiben und damit auch den Erlös.

Die Einnahmen über Spotify sind ein Zubrot, sagt Fabian Schütze, Label-Chef von Analogsoul. Am meisten verdient das Label über Konzerte und den anschließenden Plattenverkäufen. Die Masse der Abrufe und die Marktmacht von Spotify würden aber dazu führen, dass der Streamingdienst auf dem Weg sei, die physischen Formate zu überholen.

"So eine Schallplatte kostet 15 Euro im Verkauf. Während ein Spotify-Stream oder ein durchgehörtes Album auf Spotify sich auf circa einen Cent zusammenläppert."
Fabian Schütze, Label-Chef Analogsoul

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