In der Drogerie oder im Supermarkt bekommt man schnell mal den Eindruck, dass es für jede Staubflocke ein eigens Produkt gibt. Ignoriert das einfach und kauft euch ein Tütchen Natron. Habt ihr bestimmt schon mal gesehen: grün mit ner weißen Frau drauf, die putzt. Vera Pache hat für uns gecheckt, was wir mit diesem alten Hausmittel alles machen können.

Natriumhydrogencarbonat ist ein weißes, sehr feines Pulver - etwas feiner noch als Speisesalz. Im Supermarkt steht es oft im Regal neben dem Backpulver, unsere Großmütter kannten das auch als Speisesoda, Sodium oder Natriumbicarbonat .

"Natron ist der allgemeine oder triviale Name für eine Bindung, die Natriumhydrogencarbonat heißt."
Axel Klein, Professor für Anorganische Chemie an der Universität Köln

In Kombination mit Wasser wird Natron zu einer schwachen Lauge. Die ätzt die Oberflächen leicht an. Außerdem ist Natron ein ziemlich gutes Scheuermittel, weil es grobkörnig ist. Das funktioniert sowohl bei Töpfen, in denen Essen angebrannt ist, als auch bei dreckigen Fliesen oder bei einem fettverkrusteten Grillrost.

Ganz früher hat man zum Beispiel Fußböden mit Sand geschrubbt, um sie sauber zu scheuern. Allerdings ist es ziemlich nervig, den Sand nach dem Schrubben wieder loszuwerden. Anders bei Natron. Das lässt sich einfach mit Wasser wegspülen, denn es löst sich in Flüssigkeit auf und ist obendrein umweltfreundlich

"In Zahnpasta ist es auch, das hat halt einen reibenden Effekt, dass man sich sauber fühlt und die Belege abgerubbelt werden."
Ulla Hastreiter, Apothekerin

Im Netz gibt es jede Menge Tutorials, wie sich Zahnpasta ganz einfach selber herstellen lässt - mit Natron. Wenn man so will, funktioniert das eben auch im Mund wie ein Scheuermittel. Und deswegen gilt aber auch gleichzeitig: Vorsicht, denn zuviel rubbeln und scheuern kann dem Zahnschmelz und dem Zahnfleisch schaden.

Gegen stinkende Abflüsse

Mit dem feinen weißen Natronpulver lassen sich auch Abflüsse säubern, es hilft vor allem gegen den schlechten Geruch, sagt Chemie-Professor Axel Klein: "das sind ja Biofilme, also Bakterien, die sich da ansiedeln. Die übliche Farbe ist braun, kann jeder im Abfluss sehen. Und gegen jede Art von Biofilm, die durch Bakterien zusammengehalten werden, hilft alles, was antibakteriell ist." Natron wirkt basisch. Ein bis zwei Löffel Natron in den Abguss streuen, einwirken lassen und dann mit Wasser nachspülen.

Natron eignet sich zum Scheuern, zum Zähneputzen und um  Bakterien im Abfluss zu entfernen. Und weil es in Kombination mit Säure und Flüssigkeit schäumt, macht es beim backen unseren Kuchen schön fluffig. 

Und manche Menschen nehmen es auch wenn sie verkatert sind. Was ist dran an dieser Idee? Die Apothekerin Ulla Hastreiter sagt, gegen die Kopfschmerzen kann Natron nichts machen. Aber es lindert eine Begleiterscheinung: einen übersäuerten Magen.

"Es ist sehr basisch und der Magen übersäuert ja ganz gerne, wenn man zuviel Alkohol trinkt."
Ulla Hastreiter, Apothekerin

Aber besser nicht zuviel davon nehmen - auch wenn es nur so wenig kostet.