Wenn Antibiotika bei Bakterien-Infektionen nicht mehr helfen, können Phagen eine Alternative sein. Die kleinen Viren bringen Bakterien zum platzen.

Bei multiresistenten Keimen setzen Forscher auch ab und zu auf die Behandlung mit Phagen. Phagen sind kleine Viren, sozusagen die natürlichen Feinde der Bakterien. Kurz gefasst läuft das so: Die Phagen dringen in die Bakterien ein, vermehren sich da und bringen die Bakterien zum Platzen.

"Phagen sind so etwas wie Zell-Piraten."
Medizinjournalist Martin Winkelheide über Phagen

Etwas ausführlicher beschrieben: Phagen zwingen die Bakterienzelle dazu. immer neue Phagen zu produzieren. Und sie lassen die Bakterien Stoffe bilden, die für die diese letztendlich tödlich sind. Es sind Stoffe, die die Zellwand durchlöchern und die Bakterien zum Platzen bringen. Wenn irgendwann alle Bakterien zerstört sind, gehen die Phagen ein und sind bald darauf verschwunden.

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Phagen werden Antibiotika eher ergänzen - nicht ersetzen

Phagen erledigen also im Prinzip den Job, den Antibiotika machen. Sie töten Bakterien ab und helfen dem menschlichen Körper, den Infektionsherd zu beseitigen. Phagen haben aber auch Grenzen und sind in mancherlei Hinsicht problematisch. Es gibt beispielsweise Phagen, die den Krankheitsverlauf verschlimmern. Bei Cholera oder Diphtherie ist das beobachtet worden. Ein zweites Problem taucht auf, wenn sich Bakterien gegen Phagen wehren und sich genetisch verändern. Dann gibt es auch Resistenzen - ähnlich wie bei Antibiotika.

Antibiotikaresistenz: Abbildung links: Ein Antibiotikum dringt durch die Bakterienwand. Abbildung rechts: Bakterien haben eine Resistenz entwickelt.
Antibiotikaresistenz: Abbildung links: Ein Antibiotikum dringt durch die Bakterienwand. Abbildung rechts: Bakterien haben eine Resistenz entwickelt.

Gute Erfahrungen haben Forscher bei der Phagen-Behandlung mit offenen Wunden gemacht, die nicht abheilen wollen. In der Regel ist die Wunde mit mehreren verschiedenen Bakterien infiziert. Wenn vorher genau festgestellt wurde, um welche Bakterien es sich handelt, können die dazu passenden Phagen von außen aufgetragen werden.

In Osteuropa ist die Forschung da viel weiter als im Westen. Das liegt daran, dass hier im Westen mehr auf die Behandlung mit Antibiotika gesetzt wurde in den letzten Jahren.

"In Osteuropa gibt es große Phagen-Bibliotheken - also Verzeichnisse in denen steht, welche Phagen gegen welche Infektionen helfen."
Medizinjournalist Martin Winkelheide über Phagen

Phagen-Forschung gibt es aber auch in Deutschland. Besonders weit ist eine Gruppe um Tübinger Infektionsforscher. Sie setzen auf den Stoff, mit dem die Phagen die Bakterien zum Platzen bringen. Einen speziellen Stoff, der gezielt gegen einen Problemkeim wirkt, haben die Forscher isoliert und wollen ihn am Menschen ausprobieren. Da geht es um Staphylococcus aureus. Der kann zum Beispiel Hautentzündungen oder Blutvergiftungen verursachen. Die klinische Studie startet voraussichtlich in etwa einem Jahr.


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