Wo kommen auf einmal die vielen Populisten her? In den USA hat sich Donald Trump mit seinen extremen Positionen durchgesetzt. In Frankreich bringt sich Marine Le Pen in Stellung für den Präsidentschaftswahlkampf 2017. Geert Wilders macht die Niederlande unsicher und in Ungarn hat sich der selbstbewusste Viktor Orbán festgesetzt.

Der Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller von der Princeton University hat dazu auf einer Veranstaltung unseres Hauptstadtstudios in Berlin gesprochen. Nicht jeder, der Eliten kritisiere, sei automatisch ein Populist, grenzt Müller zunächst ab. Dann deckt er messerscharf auf, was Populisten ausmacht und warum sie so erfolgreich sind.

Wahre Volksvertreter und Verschwörungstheoretiker

Nach Müller behaupten sie stets, dass sie - und nur sie - das vertreten, was sie als das "wahre Volk" bezeichnen. Laufe in der Demokratie eine Wahl oder Abstimmung nicht nach ihren Wünschen ab, würden sie beispielsweise zu Verschwörungstheorien wie dieser greifen:

"Da haben die Eliten irgendwie hinter den Kulissen gemauschelt. Deswegen ist es nicht zu unseren Gunsten ausgegangen."
Jan-Werner Müller, Princeton University

Auf der Veranstaltung "Formate des Politischen" am 3. und 4. November hat auch der Chefredakteur von Bild.de, Julian Reichelt über seine Erfahrungen berichtet. Seit die Bild-Zeitung einen Pro-Flüchtlingskurs vertrete, seien dort massenhaft Beschimpfungen auf allen Kanälen eingegangen. Reichelt erklärt, dass er stolz darauf sei, diesen Kurs dennoch konsequent weiterführen zu dürfen. Hier spricht einer, der die Flüchtlingskrise auch von der anderen Seite mitbekommen hat: als Korrespondent in Syrien - und er urteilt über die Politik der Bundesregierung:

"Ich sag immer: Wir haben die Flüchtlingskrise bekommen, die wir uns durch unser Unterlassen, durch unser teilweise schreckliches Unterlassen, verdient haben."
Julian Reichelt, Chefredakteur Bild.de

"Formate des Politischen - Medien und Politik im Wandel" ist eine Veranstaltung des Deutschlandfunk, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundespressekonferenz. Die Konferenz wendet sich an Politiker, Journalisten und Bürger gleichermaßen.

Hier geht's zum Hörsaal Migranten als Akteure - "Sie wollen nicht mit mir sprechen!", der ebenfalls bei dieser Veranstaltung aufgezeichnet wurde.

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