Für viele Männer gehört ein Besuch im Bordell zur Normalität. Überraschend locker geben sich die Freier, die die Fotografin Bettina Flitner für eine Fotoserie ablichtet, die 2013 im Stern erschienen ist.

Nach kurzen Interviews mit den Freiern, geht Bettina Flitner mit ihnen in ein Zimmer, wo sich sich auf einem Bett fotografieren lassen. Bis auf einen verheirateten Mann lassen sich nur ledige Männer porträtieren, die in keiner festen Paarbeziehung stehen. Warum sie ins Bordell gehen, begründen sie meist so:

"Ich will keinen Stress." - "Ich will keine Beziehungsgespräche vorm Sex führen müssen." - "Ich will nur einen Schein auf den Tisch legen müssen." - "Ich will die Macht über eine Frau haben."
Freier im Bordell "Paradise" in Stuttgart

Das "Paradise" in Stuttgart ist als eine Art "Wellness-Bordell" gestylt, orientalisch-gemütlich mit vielen Kissen und Teppichen eingerichtet, mit Gold verzierte Möbelstücke, Hintergrundmusik und betörenden Düften. Absurd ist, dass alle Frauen nackt sind - Highheels und Handtasche tragen.

"Ich war die einzige angezogene Frau."

Bettina Flitner stellt sich an die Theke - zu den Prostituierten und den Freiern. Anfangs reagieren die Männer zögerlich auf ihre Frage, ob sie sich fotografieren lassen. Doch dann erklären sich immer mehr bereit, sich ablichten zu lassen. Die Fotoserie zeigt die unterschiedlichsten Männer - jung, alt, dünn, dick, Geschäftsmann, Arbeiter, Akademiker.

Unendlich traurig

Die Fotografin konzentriert sich auf die Freier, den Frauen kommt sie dabei nicht nahe. Das will sie in einer Fortsetzung der Serie ändern, in der es dann um die Frauen gehen soll. Die Traurigkeit und Versteinerung in den Gesichtern der Frauen lassen Bettina Flitern nicht los.

"Ich habe erst am letzten Tag kapiert, das vor der Tür die Zuhälter standen, das waren die Familien, Väter und Brüder, die die Frauen dann abkassierten."

Erst langsam eröffnet sich Bettina Flitner der Blick hinter die Fassade des Bordells, wie traurig die ganze Situation für die Frauen ist, wie korrumpiert die Beziehungen dort zwischen Männern und Frauen sind und wie anstrengend es für die Frauen ist, nach dem zehnten Freier noch aufrecht zu gehen.