Im Medizin-Journal "The Lancet" haben Forscher mit Zahlen belegt, dass syrische Mediziner systematisch angegriffen und getötet werden.

Mehr als die Hälfte der Ärzte und des medizinischen Personals haben Syrien bereits verlassen. Es ist zu gefährlich unter Kriegsbedingungen im Land zu bleiben. Diejenigen, die noch dort geblieben sind, können die Verwundeten nur notdürftig versorgen, weil Medikamente und Material fehlen.

Forscher haben im Medizin-Journal "The Lancet" mit Zahlen belegt, dass die Mitarbeiter des Gesundheitssystems systematisch attackiert werden. Sie vermuten, dass dahinter eine konkrete Strategie des Assad-Regimes und dessen Verbündeter steckt.

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Das Gesundheitssystem wird systematisch sabotiert

Konvois mit medizinischem Material werden oft nicht durchgelassen. In den Krankenhäusern herrscht deswegen akuter Notstand. Die syrische Regierung hat außerdem 2012 ein Antiterror-Gesetz erlassen, das es illegal macht, jemanden zu behandeln, der gegen die Regierung protestiert und dabei von Regierungskräften verletzt wird. 

Ärzte müssen improvisieren

Manche Krankenhäuser in belagerten Gebieten stellen inzwischen ihre eigene Kochsalzlösung her, sie operieren bei Handylicht und funktionieren Urinbeutel zu Blutbeuteln um. Ärzte übernehmen Aufgaben, die außerhalb ihres Fachbereichs liegen. Das alles zermürbt natürlich und deswegen flüchten viele Mediziner. 

Die genaue Zahl der Geflüchteten ist schwer festzustellen, ein UNO-Vertreter sagte 2016, dass 27.000 von 42.000 Ärzten Syrien verlassen hätten. Dadurch hat das Gesundheitssystem ein zusätzliches Problem: Es fehlen erfahrene Ärzte, die die jüngeren betreuen und beraten können.

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Verstoß gegen Genfer Konvention

Die Forscher kritisieren scharf, dass zu wenig unternommen werde, denn die syrische Regierung verstoße eindeutig gegen die Genfer Konvention. Diese besagt, dass keine Zivilisten angegriffen werden dürfen. Ein neueres Zusatzprotokoll legt außerdem fest, dass medizinisches Personal besonders zu schützen ist.

Anklage vor dem internationalen Strafgericht scheitert an Veto

Wegen dieser Verstöße wollten schon verschiedene Länder, der UNO-Generalsekretär und der UNO-Kommissar für Menschenrechte Syrien vor das internationale Strafgericht bringen. Das ist allerdings an den Vetos von Russland und China gescheitert. 

Die Forscher sagen, es sei wichtig, Beweise für Kriegsverbrechen zu sammeln und rufen zu internationaler Solidarität mit Medizinern in Krisengebieten auf. Die Strategie, die Bevölkerung zu kontrollieren, indem man die medizinische Versorgung sabotiert, ist nicht neu. Aber sie hat in Syrien ein neues Ausmaß erreicht.

Shownotes
Medizinische Versorgung im Kriegsgebiet
"Für Mediziner ist Syrien der gefährlichste Ort der Welt"
vom 21. März 2017
Moderatorin: 
Tina Kießling
Gesprächspartnerin: 
Jenny Rieger, DRadio Wissen