Eulen sind nicht nur ziemlich coole und süße Tiere, sie werden auch therapeutisch eingesetzt: Spaziergänge mit den Vögeln sollen entspannend und beruhigend sein. Aber ob die Eulen das selbst auch so super finden?

Bianka Wolf bietet die Spaziergänge mit Eulen an: Sie ist Heilpraktikerin in Schleswig-Holstein und besitzt zwei kleine Käuze und einen Uhu. Die drei Tiere sind zahm, sie wurden von Züchtern mit der Hand aufgezogen. Gemeinsam mit den Eulen besucht Wolf Kindergärten und Altersheime, spricht über die Tiere und lässt sie anfassen.

Erst kennenlernen, dann spazieren gehen

Eule und Mensch sollen sich beim ersten Kontakt kennenlernen. "Ich setze die Eule auf einen Lederhandschuh, sodass man sich die Eule vors Gesicht halten kann", erklärt Bianka Wolf. Wenn ein wenig Vertrauen aufgebaut ist, können die Eulen gestreichelt werden. "Wenn das Wetter schön ist und man möchte, dann kann man dann auch mit der Eule spazieren gehen."

"Die Eulen sind total tiefenentspannt."
Bianka Wolf, Heilpraktikerin

Bianka Wolf sagt: Ihre drei Eulen sind zufrieden. "Weil sie nicht viel machen müssen", erklärt sie. Eulen würden nämlich nicht gerne fliegen, nur um Beute zu machen. "Da meine Eulen satt sind, haben sie gar keine Veranlassung zu fliegen." Also würden sie es genießen, einfach nur sitzen zu müssen.

Kritik von Tierschützern

Jochen Wiesner von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen sieht die ganze Angelegenheit allerdings kritischer. Es gäbe zwar einige Eulenarten, zum Beispiel Wald- und Steinkäuze, die mit ihrem Partner schon auch mal kuscheln und die sich auch eine menschliche Bezugsperson suchen könnten. "Aber gegenüber fremden Personen ist das, glaube ich, nicht zu befürworten."

"Wenn Tiere in Gefangenschaft aufgezogen worden sind, dann könnte es sein, dass diese Eulen mit dem, der sie aufgezogen hat, dann eine mehr oder weniger partnerschaftliche Beziehung eingehen."

Eulen sind faszinierende Tiere. Darum bieten viele Falknereien in Deutschland auch Eulenspaziergänge an, und in Frankreich bringt man Eulen seit einiger Zeit mit Alzheimer-Patienten zusammen.

Die Frage bleibt aber, sagt DRadio-Wissen-Reporterin Verena von Keitz: Muss man ein Wildtier in Situationen bringen, in denen es keine Ausweichmöglichkeit hat? "Es gibt ja auch bei der tiergestützten Therapie gute Alternativen", sagt sie. Hunde zum Beispiel seien viel mehr auf den Menschen bezogen.