Wer braucht schon Freunde? Wer braucht schon Menschen? Hat sich DRadio-Wissen-Reporterin Donya Farahani gedacht und einen Tag ausschließlich mit Computern gechattet. Genauer gesagt mit Chatbots - Computerprogramme, die versuchen, wie Menschen zu kommunizieren.

Angefangen hat Donya dabei mit der Mutter aller Chatbots - Eliza. Sie feiert dieses Jahr ihren 50. Erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Eliza ist Therapeutin und stellt viele Fragen. Donya hat ihr erzählt, dass sie sich mit ihrem Bruder gestritten hat. Elizas Antwort: "Was glauben Sie, denkt ihr Bruder über Sie?" Der Auftakt eines einstündigen Gesprächs.

"Wie geht es Dir? Wie fühlst du dich heute?"
Eliza - die Mutter aller Chatbots

Donya hat allerdings schnell gemerkt: Echt ist Eliza nicht. Ihre Gesprächspartnerin hat zum Beispiel nicht kapiert, was ein Besserwisser ist. Aber immerhin hat Eliza für so solche Situationen einen Trick auf Lager. Wenn sie nicht mehr weiter weiß, sagt sie einfach: "Stellen wir das eine Weile zurück und fahren wir fort." Und es gibt wohl tatsächlich Menschen, die nicht gemerkt haben, dass Eliza nicht aus Fleisch und Blut ist. Der Trick bei Chatbots: Sie haben eine Datenbank mit Antworten und Erkennungsmustern parat. Und es gibt vorgefertigte Regeln: Das Geschriebene wird in Einzelteile zerlegt und verarbeitet. Und dann noch mit Zusatzinformationen angereichert.

Das Geschäft mit dem Messenger

Nach Eliza hat Donya auf Englisch A.L.I.C.E und auf Deutsch Brain angeschrieben. Allerdings war das kein großes Vergnügen. Schon nach dem zweiten Satz war Donya klar, dass sie mit Computern chattete. Ganz im Gegensatz zu Elbot. Seine Antworten sind nicht schlecht, seine Gegenfragen wirken menschlich, erzählt Donya. Eine mögliche Erklärung: Elbots Entwickler ist nicht nur Informatiker, sondern auch Psychologe. Elbot hat 2008 auch schon einen Preis gewonnen, weil er drei von zwölf Juroren davon überzeugt hat, ein Mensch zu sein.

Trotzdem dürften Elbot und Konsorten bald reif fürs virtuelle Museum sein. Denn 2016 soll das Jahr der Chatbots werden. Weil sie sich entwickelt haben - und vor allem, weil sich mit ihnen richtig Geld verdienen lässt.

Chatbots als Verkäufer

Nach der ganzen Chatterei hat Donya Hunger bekommen und versucht, über den Facebook-Messenger eine Pizza zu bestellen. Mit Hilfe von Assist, einem Chatbot, der einfach im Messenger angeschrieben wird. Allerdings nicht von Donya - denn bislang gibt es den Dienst nur in den USA. Mittlerweile entwickeln einige Unternehmen Chatbots für den Facebook-Messenger. Das Ziel: Dienstleistungen verkaufen.

"Das ist schon spooky, so eine Robotergang!"
Netzautorin Donya Farahani

In den USA können User zum Beispiel über den Messenger ein Uber-Taxi bestellen. Und werden dann per Chatfenster über den Fahrer, wann das Auto ankommt und vieles mehr informiert. Sie brauchen also keine eigene App installieren. Weniger Apps - das heißt dann aber auch viel Macht für Facebook und die Möglichkeit, Geld über Provision oder Werbung zu verdienen.

Donyas Fazit nach einem Tag in Gesellschaft von Chatbots: Sie musste ihre Kommunikation anpassen, einfacher sprechen und auf Redewendungen verzichten. Menschliche Kommunikation können sie zwar noch nicht ersetzen, um schnell etwas zu bestellen gehen Chatbots aber voll klar.