Zu Fuß gehen ist gesund, hält uns fit, ist umweltfreundlich und hilft uns dabei, den Kopf frei zu bekommen. Gehen ist alltäglich. Vielleicht bekommt es gerade deswegen so wenig Aufmerksamkeit. Wissenschaftler haben im 19. Jahrhundert damit begonnen, das Gehen zu erforschen. Und zwar deswegen, weil das Gehen in urbanen Strukturen eine besonders große Bedeutung hat. Auch heute gibt es Versuche, die Menschen wieder mehr zum Laufen zu bringen, zum Beispiel mit Apps, die Schritte zählen oder die zusätzliche Informationen an Fußgänger verteilen.

Eine Redaktionskonferenz mit Verena von Keitz

Silhouette von New York mit Wolkenkratzern und Hinterhöfen.
© dpa
New York

William der Fußgänger

Einmal durch die ganze Stadt laufen - das hatte sich William Helmreich vorgenommen, Soziologe an der City University of New York. Das Ergebnis: Er ist durch jede Straße gelaufen, insgesamt 10.000 Kilometer. Block für Block, Stadtviertel für Stadtviertel hat William Helmreich sie zurückgelegt. Vier Jahre hat es gedauert.

Die Spaziergänge von William Helmreich sind inzwischen als Buch erschienen: The New York Nobody Knows. Darin beschreibt er auch, dass die Ursprünge für die Idee in seiner Kindheit liegen. Als er sieben Jahr alt war, hat sein Vater immer ein Spiel mit ihm gemacht, das sie "The Last Stop" nannten. Sie fuhren dann mit der U-Bahn zur End-Haltestellen und liefen einfach rum für ein paar Stunden. Jedesmal suchten sie sich ein anderes Viertel für ihre Streifzüge aus.

Ohne seine Spaziergänge wäre Helmreich niemals auf die Exorzisten-Kirche in der Bronx gestoßen. Oder auf den Mann, der in seinem Vorgarten eine Sammlung an Statuen, Fotos, Bildern hat, in denen sich das Brooklyn seiner Kindheit und Jugend widerspiegelt. Und dann war da noch der Mann, der seine beiden Boa Constrictors in Bushwick ausführte.

"Er ist kein Läufer, er ist ein Flaneur."
Thomas Reintjes über William Helmreich

William Helmreich ist Flaneur. Und vor allem: Er ist Soziologe, durch und durch. Während seiner Stadtspaziergänge läuft er nicht nur an Menschen vorbei, sonder er spricht auch mit ihnen. Zum Beispiel als Thomas mit ihm am Haier Building vorbei kommt - ein Gebäude mit Säulen-Portal, das an einen alten Tempel erinnert. Er holt sein Smartphone raus, schaltet die Aufnahmefunktion ein und unterhält sich mit den Menschen im Gebäude.

"You should get on the subway and should get out at random, any stop. And that'll be a lot more interesting than going to places that are on a guide book."
William Helmreich, Soziologe und Spaziergänger