Endlich Feierabend! Oder ist das zu old school - Feierabend?! Gibt's den überhaupt noch? Wollen wir ihn noch? Oder gehört das Wort ausgemustert, als Relikt einer untergegangenen Arbeitswelt?

Wir hatten drei Menschen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven aufs Thema eingeladen und - Premiere! - durften zwei Schlipsträger auf dem Podium begrüßen! Zum einen Carlos Frischmuth vom Personaldienstleister Hays, der Finanz- oder IT-Experten in Jobs vermittelt. Zum anderen Dr. Max Neufeind. Er denkt als Arbeitspsychologe und Mitglied des Think Tanks "Das progressive Zentrum" über die Zukunft der Arbeit nach.

"Natürlich heißt 9 to 5 Gängelung, aber 9 to 5 heißt auch: Verlässlichkeit, Planbarkeit."
Max Neufeind, Arbeitspsychologe

Catharina Bruns dagegen setzt zu 100 Prozent auf selbständiges Arbeiten. Nach ein paar frustierenden Jahren als Angestellte hat sie gemeinsam mit einer anderen Frau gegründet. Jetzt betreibt sie verschiedene DIY-Unternehmen und schreibt und veröffentlicht zum Thema Entrepreneurship.

"Ich brauch den Feierabend nicht zu zelebrieren. Weil ich mein Leben zelebriere!"
Catharina Bruns, Unternehmerin

Wir haben die Wahl. Wir können frei arbeiten oder angestellt, im Büro oder die Arbeit per Tablet mit an den Strand nehmen, 50 Stunden die Woche runterroboten oder lieber nur halbtags, unsere eigenen Projekte realisieren - und dabei reich werden oder auf die Schnauze fallen. Finden manche toll, andere verwirrend. Manche empfinden die vielen Möglichkeiten auch als Druck:

"Das trägt zu so einem Narrativ bei: Das Standardleben ist nicht gut genug, jeder muss sich selbst verwirklichen, jeder muss in allen Domänen des Lebens top performen. Es gibt eine riesige Optionalität. Ich glaube, das übt einen riesigen Druck aus, auf uns als Generation."
Max Neufeind, Arbeitspsychologe

Darüber haben wir am 24. Februar 2016 im Digitalen Salon in Berlin diskutiert. Der Digitale Salon ist die Gemeinschaftsveranstaltung von Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und DRadio Wissen. Geht so: Gutes Thema aus der vernetzten Gegenwart, gute Gäste, Diskussion. Plus: Neugieriges Publikum, Wein, Brezeln. Immer am letzten Mittwoch des Monats in Berlin, ab 19 Uhr, eine schöne Feierabend-Veranstaltung. Da geht die Verunsicherung schon los: Man könnte die Veranstaltung auch als Netzwerk-Abend oder Weiterbildung begreifen.

"Diese Abgrenzung von work-life-balance halten manche auch für work-life-bullshit. Weil es suggeriert: Da ist die Arbeit und da ist die Freizeit - das ist getrennt. Aber: Arbeitszeit ist auch Lebenszeit."
Carlos Frischmuth, Personaldienstleister

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