Nachdem die Bandmitglieder von "The Plastic People of the Universe" während eines Konzerts verhaftet und die Fans verhört wurden, entstand eine internationale Protest- und Solidaritätsbewegung, aus der sich die Menschenrechtsinitiative Charta 77 herausbildete. In dem Bild sind links die Ursprungsband 1989 zu sehen und rechts drei aktive Bandmitglieder 2010.

In der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (ČSSR) begann bereits nach dem Tod des sowjetischen Partei- und Regierungschefs Josef Stalin 1953 eine kulturelle Liberalisierung in dem Ostblockstaat. Die Band "The Plastic People of the Universe" gründete sich nach der Invasion der Staaten des Warschauer Paktes, die den "Prager Frühling", die Demokratisierungstendenzen, in der ČSSR niederschlagen wollten.

Nachdem die Bandmitglieder während eines Auftritts 1976 verhaftet wurden, führten die anschließenden tschechischen und internationalen Proteste gegen die Inhaftierungen zur Gründung einer Menschenrechtsinitiative in Prag. Als die Bürgerinitiative am 1. Januar 1977 die Charta 77 veröffentlichte, waren sich ihre Verfasser und Unterzeichner nicht bewusst, was dieses Papier auslösen würde. Sie begrüßten darin den Beitritt des Landes zur Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.

Die Charta 77 war eine Petition, die Missstände in der ČSSR anklagte und eine Veränderung der Verhältnisse forderte. Obwohl die Charta sich nur auf die Verhältnisse im eigenen Land bezog, traf sie auch in anderen Ostblockstaaten auf Resonanz.

Demokratiebewegung von unten

Eine Woche nach dem Erscheinen der Petition wurde sie in zahlreichen westeuropäischen Medien veröffentlicht. Die Autoren beriefen sich auf die Schlussakte von Helsinki, die am 1. August 1975 von den 36 Teilnehmerstaaten der "Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (KSZE) unterzeichnet wurde.

Der aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann (r.) tritt am 27.03.77 im Saal des Frankfurter Gewerkschaftshauses in einer Solidaritätsveranstaltung für die Bürgerrechtsbewegung in der CSSR
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Der aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann (r.) tritt am 27.03.77 im Saal des Frankfurter Gewerkschaftshauses in einer Solidaritätsveranstaltung für die Bürgerrechtsbewegung in der CSSR "Charta 77" auf. Auf dem Podium v.l. Studentenführer Rudi Dutschke und Jiri Pelikan .

In Helsinki garantierten sich die KSZE-Staaten gegenseitig ihre Grenzen, vereinbarten wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit und akzeptierten die Gültigkeit der Grundrechte in ihren Ländern. Zu den Grundrechten gehörten die Meinungs- und Überzeugungsfreiheit, unter deren Schutz die Charta 77 und wenig später die polnische Gewerkschaftsbewegung Solidarność entstanden. Sie waren wichtige Mosaiksteine der Entwicklung, die schließlich 1991 zum Zerfall der Sowjetunion und zum Ende des "Kalten Krieges" führte.

Außerdem hört ihr noch in Eine Stunde History:

  • Oliver Bange vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt über die Schlussakte von Helsinki und den KSZE-Prozess
  • Martin Schulze-Wessel über die Wirkung der Charta 77 in der CSSR und in den anderen Ostblockstaaten.
  • DLF-Korrespondent Stefan Heinlein über die Bedeutung der Charta 77 heute
  • Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die Entwicklung von der Schlussakte von Helsinki bis zum Ende des Kalten Krieges