Wie kann man Menschen in Krisengebieten unterstützen? Die Frage haben sich die Macher von Conflictfood gestellt. Zum Beispiel mit Handel, ist die Antwort. Denn: "Konsum ist immer eine politische Entscheidung", ist Salem El-Mogaddedi überzeugt.

Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger haben 2015 Conflictfood in Berlin gegründet, eine Plattform für nachhaltigen Handel. Beide haben davor in ganz anderen Branchen gearbeitet. Die Idee entstand eher aus einem Zufall heraus, sagt Gernot. Beide reisten 2015 nach Afghanistan, um ein Waisenhaus zu fotografieren und die Arbeit dort zu dokumentieren, und um Salems Vater zu begleiten. Die Verbindung zu Afghanistan kommt über Salems Eltern, die aus Afghanistan stammen. Salems Vater leistet dort humanitäre Hilfe in vielen verschiedenen ehrenamtlichen Projekten.

Unterwegs erfuhren die beiden, dass gerade Erntezeit für Safran ist. Dabei lernten sie ein Frauenkollektiv kennen, das Safran anbaut. Begeistert von der Arbeit der Frauen, kauften sie ihnen zunächst zwei Kilo Safran ab und brachten ihn mit nach Deutschland.

"Wir fanden diese Geschichte des Frauenkollektivs so schön, das hat uns so geflasht, dass wir gesagt haben, wir bringen diesen Safran, wir bringen diese Geschichte nach Deutschland."
Gernot Würtenberger, Mitbegründer von Conflictfood

Die Menschen in Afghanistan haben sie als sehr gastfreundlich, herzlich und offen empfunden: "Man begegnet dort einer Gastfreundschaft, die einen wirklich umhaut", sagt Salem. Neben den sozialen Projekten haben sie auch Kulturstätten beispielsweise in Herat besucht, wo die Zitadelle von Alexander dem Großen steht. Die reichhaltige Kultur und Geschichte zeigt sich auch an wichtigen Abschnitten der Seidenstraße, die durch Afghanistan gehen, an bedeutenden Naturlandschaften wie der Hindukusch und an den vielen Sprachen und Völkern, die dort leben. "Und das alles spiegelt sich auch in der Küche wieder, das Essen ist wirklich ausgezeichnet", sagt Salem.

"Wir haben uns schon immer für nachhaltigen Konsum interessiert: Wo kommen die Lebensmittel her? Wo werden sie angebaut? Wie sind die Menschen in diesen ganzen Anbauprozessen miteinbezogen? Werden sie fair bezahlt?"
Salem El-Mogaddedi, Mitbegründer von Conflictfood

Salem El-Mogaddedi ist überzeugt davon: "Konsum ist immer eine politische Entscheidung und dessen sollte man sich bewusst sein, und dass mein Kaufverhalten immer einen Impact hat über die Landesgrenzen hinaus." Deshalb, erklärt Gernot, reisen die beiden in Krisen- und Konfliktregionen und schauen vor Ort nach den besten landestypischen Agrarprodukten.

"Die Idee ist, Kleinbauern und Kollektiven eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten und ihnen neue Absatzmärkte zu eröffnen und die Strukturen von innen heraus zu stärken."
Salem El-Mogaddedi, Mitbegründer von Conflictfood

Ihre ursprünglichen Jobs haben die beiden inzwischen an den Nagel gehängt. Sie arbeiten ausschließlich nur noch für Conflictfood. Mit dem Start-up wollen die beiden Gründer helfen, die Fluchtursachen wie Armut und Arbeitslosigkeit vor Ort mit zu beseitigen, in dem sie gezielt beispielsweise den Safran des Frauenkollektivs kaufen und in Berlin verkaufen. Das ganze Gebiet - Afghanistan und Iran - sei früher für seinen Safrananbau bekannt gewesen. Der Schlafmohnanbau war nur irgendwann weitaus lukrativer für die Afghanen. Mithilfe einer deutschen NGO hat vor einigen Jahren das Frauenkollektiv seinen Schlafmohnanbau durch Safran ersetzt.

Es gibt mehr Realitäten als nur Krieg

"Wir möchten über das Produkt den Kunden und den Menschen zeigen, dass es in den Ländern, die wir bereisen, zwar Krieg und Terror gibt, das ist aber nur eine Realität. Wir möchten auch die anderen Realitäten zeigen, dass es eine Kultur, eine Esskultur, eine Tradition der Gastfreundschaft, eine reiche Kulturgeschichte und auch einfach nur Alltag gibt," erklärt Salem.

Während ihrer Reise haben die beiden ein Blog geschrieben, in dem sie unter anderem über Jugendliche in Kabul berichten, die im ehemaligen Präsidentenpalast Parkour machen. Für die Jungs eine Alternative zu ihrem tristen und perspektivlosen Leben in der afghanischen Hauptstadt.

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