Es ist eine furchtbare Vorstellung: sich nicht mehr bewegen können, nicht mehr sprechen, nicht mehr sehen, aber geistig völlig wach zu sein. Menschen, die durch Unfälle oder Krankheit in ihrem Körper eingeschlossen sind, haben keine Möglichkeit mehr, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Gehirn-Computer-Schnittstellen können dabei helfen, die Eingeschlossenen mit der Außenwelt zu verbinden.

Wenn Menschen sich nicht mehr bewegen können, dann ist ihnen jede Verbindung zur Außenwelt abgeschnitten. Locked-In heißt dieser Zustand. Hoffnung für die Betroffenen gibt eine Erkenntnis, die eigentlich erst mal unglaublich und gruselig klingt: Unsere Gedanken sind lesbar.

"Der Zugang zur Seele ist nicht so kompliziert, wie man uns immer einzureden versucht."
Niels Birbaumer, Neurobiologe und Psychologe

Natürlich sind sie nicht lesbar wie ein Buch, aber ihre Spuren können wir lesen. Gedanken gehen nämlich immer einher mit bestimmten Gehirnaktivitäten, zum Beispiel mit elektrischer Spannung. Die kann von Neurowissenschaftlern gemessen werden, im Falle der elektrischen Aktivität zum Beispiel mittels EEG.

Gedanken bewegen Prothesen

Computer helfen dann, sie zu interpretieren, indem sie Muster erkennen. Im Idealfall kann eine Gehirn-Computer-Schnittstelle dann zum Beispiel übersetzen, ob ein Patient gerade "Ja" oder "Nein", "rechts" oder "links" denkt. Die Betroffenen können zudem ihr Denken trainieren, so dass es präziser zu erkennen ist. Auf diese Weise lassen sich sogar Prothesen steuern.

"Wir sind in der Lage, Gedanken aufzufangen und in eine Bewegung umzusetzen."
Niels Birbaumer, Neurobiologe und Psychologe

Niels Birbaumer ist Leiter des Instituts für medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie sowie des Zentrums für Magnetoenzephalographie der Uni Tübingen. Hirn-Computer-Interfaces sind nur ein Teil seiner Arbeit. Die dreht sich zwar immer um das Gehirn, aber in vielen unterschiedlichen Aspekten: So hat Birbaumer etwa mit kriminellen Psychopathen gearbeitet, um herauszufinden, ob und wie diesen möglich ist, ihr Verhalten anzupassen und er untersuchte, wie mit Neurofeedback zum Beispiel Epilepsie- oder ADHS-Patienten geholfen werden kann.

Sein Vortrag "Mit Gedankenkraft die Welt bewegen" wurde am 3. Dezember 2015 im Rahmen der Vortragsreihe "Exkurs - Einblick in die Welt der Wissenschaft" aufgezeichnet, mit der die Deutsche Forschungsgemeinschaft von ihr geförderte Forschung vorstellt. In dem Vortrag stellt er die Entwicklungsgeschichte und den Satus Quo dieser "Gehirnprothesen" vor und erläutert, wie seine Forschung auch Patienten mit anderen Krankheiten helfen kann, etwa bei Lähmungen nach einem Schlaganfall.

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