Bei der Landwirtschaft geht es nicht um bio' oder 'konventionell', sondern um 'sinnvoll' oder nicht, findet Tobias Bandel. Langfristig sieht er bessere Chancen bei der Biolandwirtschaft, aber er warnt auch davor, alles schwarz-weiß zu sehen.

Bio ist gesund und schmeckt gut - das denkt zumindest jeder Vierte, der bei einer Ernährungsstudie angegeben hat, dass er regelmäßig Bioprodukte kauft. Wir hoffen, wenn wir uns mit Bioprodukten ernähren, dass unser Gemüse unbelasteter ist und auch die Umwelt durch weniger Nitrate und Pestizide ein wenig geschont wird.

Perspektivisch gesehen leben wir in einem sich ändernden Klima mit zunehmend wechselndem Wetter. Da brauchen wir ein strapazierbares Anbausystem und da punkten die Biobetriebe normalerweise besser."

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wies darauf hin, dass die Biolandwirtschaft dem Boden zu viel Nährstoff entziehen würde. Und folgerte daraus, dass das Problem umso größer sei, je mehr biologisch bewirtschaftete Flächen es gäbe. Thomas Bandel von "Soil & More International" ist gegen diese Pauschalisierung. Genauso wie er sich dagegen ausspricht, dass über konventionelle Bewirtschaftung ausschließlich gesagt wird, dass sie die Böden auslaugt und Erosion verursacht.

"Die Frage ist: Brauchen wir 100 Prozent Bio - oder brauchen wir 100 Prozent einer sinnvollen Landwirtschaft, die vielleicht nicht so schwarz-weiß oder in gut und böse aufgeteilt ist."
Tobias Bandel, Agrarwissenschaftler

Insgesamt und langfristig betrachtet sieht Agrarwissenschaftler Tobias Bandel die besseren Zukunftsperspektiven bei der Biolandwirtschaft. Aber er ist auch dagegen, die beiden Herangehensweisen einander dogmatisch gegenüberzustellen. Viel wichtiger ist es, nachhaltige landwirtschaftliche Methoden anzuwenden und bei der Bepflanzung auf Fruchtfolge, Bodendecker, Zwischenfrüchte, Leguminosenanbau und Kompostierung zu achten. Dadurch kann man dem Boden wieder genug Nährstoffe zufügen.

"An speziell schwierigen Standorten - um das System erst mal in Gang zu bringen - muss vielleicht ein gewisses Nährstoffdefizit durch Zudüngung unterstützt werden, aber langfristig, davon bin ich überzeugt, funktioniert Bio besser."
Tobias Bandel, Agrarwissenschaftler

Eine weitere Kritik an der Biolandwirtschaft ist, dass mehr Fläche benötigt wird, als bei der konventionellen Art. Tobias Bandel sagt, dass man dafür aber auch langfristig schauen muss, wie sich die Erträge entwickeln und wie viel Fläche durch konventionellen Anbau - beispielsweise durch Versalzung - unbrauchbar gemacht werde. Er sagt, dass sich die Zahlen laut Uno die Waage halten und sogar in der Tendenz eher für Biolandwirtschaft sprechen.

Aber Tobias Bandel sieht nicht nur das Problem bei der Lebensmittelproduktion. Zurzeit werden noch 40 Prozent der Lebensmittel weggeschmissen. Um die Welternährung zu sichern, müssen wir auch unser Konsumverhalten ändern, sagt der Agrarwissenschaftler.