Wird eine Frau von ihrem Partner vergewaltigt, sieht sie ihren Mann oft nicht als Täter, sondern in erster Linie als geliebte Person. Hinzu kommt, dass Frauen Angst haben - durch eine Trennung oder Anzeige -, die ganze Familie und das soziale Gefüge zu verlieren.

Thordis Elva wurde von ihrem damaligen Freund Tom Stranger in der Beziehung vergewaltigt. Zurzeit erzählen sie ihre Geschichte in einem Buch und in Live-Auftritten öffentlich und machen so auf ein Thema aufmerksam, über das nicht sehr häufig gesprochen wird: Gewalt und Vergewaltigungen in Partnerschaften.

Kerstin Zander vom Verein "re-empowerment e.V. - Frauen gegen Partnerschaftsgewalt" bewertet die Öffentlichkeitsarbeit von Thordis und Tom grundsätzlich positiv. Zum einen würde Tom voll und ganz die Schuld eingestehen und die Verantwortung für das Geschehene übernehmen. Zum anderen würden die beiden auf einige Vergewaltigungsmythen hinweisen. Sie machen zum Beispiel klar, dass es bei der Frage nach Verantwortung und Schuld keinen Unterschied mache, ob der Vergewaltiger eine fremde Person ist oder der eigene Partner.

"Das Opfer beschreibt die Vergewaltigung eher als 'Sex, den ich nicht wollte'."
Kerstin Zander, Verein "re-empowerment e.V. - Frauen gegen Partnerschaftsgewalt"

Die Aufarbeitung einer Vergewaltigung durch den eigenen Partner ist dann aber doch besonders. "Das Opfer sieht die andere Person nicht als Peiniger, sondern als geliebten Menschen", sagt Kerstin Zander. "Die Frau klassifiziert die Tat nicht als Gewalt, sondern als Eskalation von Beziehungsschwierigkeiten." So würde auch der Begriff "Vergewaltigung" nicht benutzt. Das Opfer beschreibt die Vergewaltigung eher als "Sex, den ich nicht wollte".

Der Schritt zum Beispiel zu einer Anzeige sei auch wegen der möglichen Konsequenzen so schwierig. Sie zerstört das innere Bild einer geliebten Person, sagt Kerstin Zander. Und manchmal gehe dadurch alles verloren, was noch bleibt: Hoffnung, Familie, Absicherung, soziales Gefüge.

Das Wichtigste: Empathie, Selbstbestimmtheit

Deshalb sei es auch nicht automatisch der einzig richtige Schritt, den Täter anzuzeigen, sagt Zander. "Wir dürfen nicht der Verlockung unterliegen, eine innerpartnerschaftliche Vergewaltigung von außen mit den eigenen Maßstäben zu beurteilen. Wir müssen empathisch aus den Augen der Opfer schauen."

Das heißt: Opfer müssen erkennen können, dass es sich bei einer Vergewaltigung um eine solche handelt - und nicht nur um Sex ohne Einverständnis. Was das konkret bedeutet, ist aber unterschiedlich. Kerstin Zander sagt: "Man muss den Opfern dann bei einer kritischen Betrachtung der Kosten und Konsequenzen helfen. Und wir müssen ihre Selbstbestimmtheit achten und respektieren."